Kommt jetzt Bewegung in den Stader Wahlkampf?
Bürgermeisterwahl in Stade: Jetzt sind es vier Kandidaten
- Tristan Jorde tritt für die Linke als Bürgermeisterkandidat in Stade an
- Foto: Stephan Mussil
- hochgeladen von Jörg Dammann
Bisher sah es so aus, dass der Wahlkampf um den Stader Bürgermeisterposten eher langweilig wird. Das bisherige Gebaren der Kandidaten der zwei großen Parteien, Arne Kramer (CDU) und Kai Koeser (SPD), lässt fast den bösen Verdacht aufkommen, dass die beiden sich womöglich intern auf einen "Kuschelkurs" verständigt haben könnten. Doch nun dürfte ein wenig Würze in den Wahlkampf kommen. Mit Tristan Jorde wirft ein Kommunalpolitiker seinen Hut in den Ring, der sich im Stader Rat einen Ruf als unbequemer Antragsteller und nicht selten scharfzüngiger Kritiker erworben hat. Der Vorsitzende der Linken-Fraktion tritt offiziell als parteiloser Kandidat an - freilich mit Unterstützung der Linken.
Jetzt sind es vier Kandidaten
Damit gibt es derzeit vier Bewerber für das höchste politische Amt der Hansestadt. Auch Einzelbewerber Jörg Baumann ist kein Unbekannter, auch wenn er bislang noch kein Ratsmandat innehatte. Der Gastronom nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Missstände in der Hansestadt anzuprangern und politische Entscheidungen zu hinterfragen. Übrigens bietet die Kreisstadt den Wählern derzeit landkreisweit die größte Auswahl an Bürgermeister-Kandidaten. Ob das so bleibt ist noch offen: Die Nominierungs- bzw. Bewerbungsfrist ist noch nicht abgelaufen.
Eine Stichwahl ist wahrscheinlich
Sollte es bei diesem Quartett bleiben, erinnert die Ausgangslage durchaus an die Bürgermeisterwahl 2019. Damals traten ebenfalls die Kandidaten von CDU und SPD gegen zwei weitere Bewerber an, denen allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt wurden. Doch die vermeintlichen Nebendarsteller sorgten damals für eine Überraschung: Die Kandidaten der Piratenpartei und von „Die PARTEI“ errangen zusammen fast 14 Prozent der Stimmen und verhinderten damit eine Entscheidung im ersten Wahlgang. Spätestens mit Jordes Kandidatur dürfte auch diesmal eine Stichwahl ein realistisches Szenario sein. Standen vor sieben Jahren neben Amtsinhaberin Silvia Nieber (SPD) und Herausforderer Sönke Hartlef (CDU) zwei eher farblose Mitbewerber auf dem Stimmzettel, sehen sich Kramer und Koeser jetzt mit zwei weiteren Gegenspielern konfrontiert, die durchaus das Potenzial haben, den beiden großen Parteien einige Prozentpunkte abzujagen.
Ingenieur und Schauspieler
Im Gegensatz zu Baumann hat Jorde bereits Erfahrung als Kommunalpolitiker. Der gebürtige Wiener sitzt seit 2021 für die Linken im Stader Rat. Der Diplom-Ingenieur hat Umwelttechnik studiert und arbeitet heute als Abteilungsleiter für Energie, Klima und Umwelt bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Außerdem absolvierte Jorde eine Schauspielausbildung mitsamt staatlicher Prüfung und war zehn Jahre als freischaffender Schauspieler und Regisseur tätig. Dass er Schauspieler ist, wird dem Linken-Fraktionschef in politischen Debatten regelmäßig vorgehalten. Jorde nimmt den Vorwurf gelassen. Ganz von der Hand weisen will er ihn nicht. Tatsächlich habe sich sein Auftreten im Rat über die Jahre verändert. Allerdings nicht aus Kalkül, sondern als Reaktion auf die politische Kultur, wie er sie im Stader Rat erlebt habe.
Zu Beginn seiner Ratsarbeit habe er versucht, Anträge möglichst sachlich und konstruktiv vorzustellen, erklärt Jorde gegenüber dem WOCHENBLATT. Doch statt über Inhalte zu diskutieren, sei er in den Debatten häufig persönlich angegangen worden - und das in einer unangemessenen Wortwahl. Da er immer wieder erlebt habe, dass seine Anträge reflexartig und ohne sachliche Argumente abgelehnt werden, habe er sich entschlossen, schärfer zu kontern. Seine Redebeiträge seien deshalb pointierter geworden, sagt Jorde – nicht lauter.
Sachorientiert statt ideologisch
Seine Kandidatur versteht Jorde vor allem als Angebot an diejenigen Wähler, die sich weder von der CDU noch von der SPD vertreten fühlen. Dabei betont Jorde, dass er als unabhängiger Kandidat antrete. Zwar wird er von der Linken unterstützt, Parteimitglied ist er jedoch nicht. Bei seiner Arbeit in den Ratsgremien stelle er ideologische Aspekte zurück. Es gehe ihm um praktische Kommunalpolitik. Die meisten Initiativen seiner Fraktion würden sich mit konkreten Problemen vor Ort beschäftigen - wie etwa fehlenden barrierefreien Zugängen zu öffentlichen Einrichtungen, weil keine Fahrstühle eingebaut werden, so Jorde.
Vision einer „Stadt für alle“
In der offiziellen Begründung seiner Kandidatur beschreibt Jorde Stade als "zweifellos hübsche Stadt" mit zugleich deutlichen sozialen und ökologischen Herausforderungen. Zu wenige bezahlbare Wohnungen, eine starke Ausrichtung auf industrielle Großprojekte und mangelnde Barrierefreiheit gehören aus seiner Sicht zu den zentralen Problemen. Wer sozial benachteiligt und nicht mobil sei, habe es in Stade schwerer "als Menschen mit Geld , Auto und Einfluss". Sein Gegenentwurf trägt den Titel „Stadt für alle“. Dahinter steht die Idee einer sozialeren, ökologisch nachhaltigeren und vielfältigeren Stadtentwicklung. Ob diese Botschaft über die klassische linke Wählerschaft hinaus verfängt, wird sich zeigen. Fest steht jedoch: Mit Jorde dürfte der Stader Bürgermeisterwahlkampf intensiver geführt werden. Unabhängig davon, wie Jordes Chancen zu bewerten sind, könnte seine Kandidatur für zusätzlichen Schwung sorgen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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