FDP schickt Enrico Bergmann ins Rennen
Stader Bürgermeisterwahl: Jetzt sind es fünf Kandidaten
- Fünf Kandidaten treten beim Rennen um das Bürgermeisteramt in Stade an. Das gab es noch nie
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Die Bürgermeisterwahl in Stade nimmt weiter Fahrt auf. Nach Arne Kramer (CDU), Kai Koeser (SPD), Tristan Jorde (parteilos, kandidiert für die Linke) und Jörg Baumann (Verein "Gemeinsam etwas ändern") hat nun auch FDP-Ratsherr Enrico Bergmann seine Kandidatur angekündigt. Damit bewerben sich aktuell fünf Kandidaten um die Nachfolge von Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU). So viele Bürgermeister-Kandidaten hatten die Stader in den vergangenen Jahrzehnten noch nie auf dem Wahlzettel stehen.
Der 44-jährige Bergmann sitzt für die FDP im Rat der Hansestadt Stade und ist Vorsitzender der gemeinsamen Fraktion von FDP und Unabhängiger Bürgerliste Stade (UBLS), die nach der Kommunalwahl nicht weiterbestehen wird, da die UBLS in der CDU aufgeht. Nach eigenen Angaben möchte Bergmann eine „Aufbruchstimmung“ erzeugen und die Arbeit des Rathauses stärker an den Bedürfnissen der Bürger ausrichten. Zu seinen zentralen Themen zählen mehr Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum, eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung, eine pragmatische Parkplatzpolitik, eine bessere Erreichbarkeit von Innenstadt, Arbeitsplätzen und Kitas sowie eine Stadtentwicklung mit Augenmaß.
Verwunderung beim CDU-Bewerber
Mit Bergmann meldet neben Kramer ein zweiter Ratspolitiker aus dem bürgerlichen Lager seine Ambitionen an, auf dem Bürgermeistersessel im Stader Rathaus Platz zu nehmen. Der CDU-Kandidat zeigt sich verwundert: „Ich finde das ganze Vorgehen von Enrico Bergmann seltsam. Es lässt mich ratlos zurück“, sagt Kramer im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Nach seinen Worten habe es in den vergangenen Monaten seitens der Stader FDP deutliche Signale gegeben, dass man seine Kandidatur unterstütze - auch wenn klar gewesen sei, dass die FDP keine offizielle Wahlempfehlung für ihn aussprechen werde, so Kramer.
Politisches Kalkül erschließt sich nicht
Die Signale aus den Reihen der Liberalen habe er jedoch so verstanden, dass man bei der Bürgermeisterwahl nicht gegeneinander antreten werde, erklärt Kramer. Schließlich habe es im Rat über Jahre eine gute Zusammenarbeit gegeben, inhaltlich habe man häufig auf einer Linie gelegen. Auch das politische Kalkül hinter Bergmanns Kandidatur erschließt sich Kramer bislang nicht. Er fragt sich, ob es dabei vor allem um eine stärkere öffentliche Präsenz der FDP im Bürgermeisterwahlkampf gehe. Schließlich werde Bergmann als Kandidat für den Spitzenposten im Stader Rathaus künftig ebenfalls bei Podiumsdiskussionen und öffentlichen Vorstellungsrunden vertreten sein.
Kritik am Bürgermeister unangebracht
Besonders kritisch sieht Kramer Aussagen in Bergmanns Presseerklärung zur Führung des Rathauses. Natürlich könne man über die Verwaltungsstrukturen an der Rathausspitze diskutieren. Im konkreten Fall halte er die Wortwahl jedoch für unangebracht. Mit Blick auf die schwere Erkrankung des Bürgermeisters gehöre sich aber eine derart scharfe Kritik nicht. Der FDP-Politiker kritisiert, dass in den vergangenen Jahren zu oft der Eindruck entstanden sei, "die Verwaltung gebe den Takt vor, während die gewählte Führung fehle". Stade brauche einen Bürgermeister, der Prioritäten setze, Entscheidungen treffe und die Verwaltung führe.
"Nach sieben Jahren ohne klare Führung im Rathaus darf es keine weiteren acht Jahre mit einem bloßen Weiter so geben", erklärt Bergmann wörtlich. In Teilen der Stader Politik sorgen solche Aussagen für Kopfschütteln. Zum Hintergrund: Hartlef ist an Krebs erkrankt. Seine Erkrankung hat er vor drei Jahren öffentlich gemacht. Lange führte er seine Amtsgeschäfte trotz schwerer Krankheit weiter. Inzwischen haben die Wahlbeamten Lars Kolk und Carsten Brokelmann Hartlefs Aufgaben in der Verwaltungsspitze übernommen.
Es wird ein heißer Wahlkampf-Sommer
Mit der Kandidatur von Bergmann dürfte endgültig klar sein, dass es auf eine Stichwahl hinauslaufen wird. Alles andere wäre aus der heutigen Perspektive eine Überraschung. Überraschend wäre es auch, wenn nicht die Namen Kramer und Koeser auf dem Stimmzettel für die Stichwahl stünden. Aber ebenso überraschend kam für viele in der Stader Politik die Nachricht, dass der FDP-Ratsherr seinen Hut in den Ring wirft. Damit dürfte der Wahlkampf um das Stader Rathaus noch einmal eine Spur spannender werden als bisher. Die politische Sommerpause fällt in diesem Jahr vermutlich nur in Bezug auf die Rats- und Ausschusssitzungen aus. Stattdessen zeichnet sich in Stade ein heißer Wahlkampf-Sommer ab – und das nicht nur wegen der Temperaturen.
Bergmanns Wahlkampf-Themen im Überblick
🛡️ Sicherheit und Ordnung
Mehr Kontrollen, saubere öffentliche Räume und konsequentes Vorgehen gegen Vandalismus, Vermüllung und Regelverstöße.
🚗 Verkehr und Parken
Pragmatische Parkplatzpolitik und bessere Erreichbarkeit von Innenstadt, Arbeitsplätzen und Kitas.
🏗️ Stadtentwicklung
Neue Wohnungen schaffen, gleichzeitig aber gewachsene Wohngebiete vor Überlastung schützen.
💼 Wirtschaft stärken
Bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, Gründer und Investoren sowie schnellere Verwaltungsabläufe.
🏛️ Rathaus modernisieren
Klare Zuständigkeiten, kurze Entscheidungswege und eine stärkere Ausrichtung der Verwaltung an den Bedürfnissen der Bürger.
👨👩👧👦 Bürgernähe
Mehr Orientierung an den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger statt parteipolitischer Interessen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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