Open Lab und Protospace
Eine Million Euro für Stader Projekt: Schüler forschen an Wasserstoff-Technologien

Ministerin Melanie Walter (3. v.li.) übergab einen Förderbescheid in Höhe von einer Million Euro | Foto: Süderelbe AG
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  • Ministerin Melanie Walter (3. v.li.) übergab einen Förderbescheid in Höhe von einer Million Euro
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jd. Stade. Wasserstoff erforschen, Roboter programmieren, Bauteile aus dem 3D-Drucker holen – und das alles nicht erst nach dem Studium: Im künftigen Wasserstoffinnovationszentrum H2AM in Stade-Ottenbeck sollen Schülerinnen und Schüler selbst zu Forschern und Entwicklern werden. Damit aus dieser Idee ein gut ausgestatteter Lernort wird, gibt es finanziellen Rückenwind aus Hannover. Rund eine Million Euro fließen in das Projekt „süderelbe.efficient – Open Lab und Protospace“.

Die niedersächsische Europa- und Regionalentwicklungsministerin Melanie Walter überreichte jetzt den Förderbescheid. Das Geld stammt aus dem Landesprogramm „Zukunftsregionen“ und soll unter anderem in 3D-Drucker, Werkzeuge und weitere Ausstattung für Labor und Werkstatt fließen. Außerdem werden vier Projektstellen geschaffen. Der Ansatz ist praxisorientiert. Im Open Lab sollen Schülerinnen und Schüler unter fachlicher Anleitung mit 3D-Druckern, Robotik, digitalen Anwendungen und klassischen Werkbänken arbeiten. Experimente mit Wasserstofftechnologien und Brennstoffzellen gehören ebenso dazu wie die Beschäftigung mit CFK – kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen, die gerade im Leichtbau eine wichtige Rolle spielen.
Das passt zum Standort: Das H2AM entsteht unmittelbar neben dem Forschungszentrum CFK NORD.

Vom ersten Versuch zum eigenen Projekt

Wer nach dem ersten Experiment auf den Geschmack gekommen ist, soll im Protospace weitermachen können. Dieser zweite Bereich richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die eigene Projekte über einen längeren Zeitraum verfolgen und Versuch für Versuch weiterentwickeln möchten. „Mit dem Open Lab und Protospace schaffen wir einen Ort, an dem junge Menschen Zukunftstechnologien nicht nur kennenlernen, sondern selbst praktisch erproben und weiterentwickeln können“, sagt Thomas Friedrichs, Geschäftsführer der städtischen Projektentwicklungsgesellschaft.

Ministerin Walter sieht im Projekt einen wichtigen Baustein, um Fachkräfte für die Region zu gewinnen und Know-how und Wertschöpfung vor Ort zu halten. Auch Thorsten Heinze, Erster Kreisrat des Landkreises Stade, betonte, wie wichtig es sei, das Interesse der Schülerinnen und Schüler an MINT-Berufen zu wecken. „Das bestätigen uns auch die Vertreter der hiesigen Wirtschaft“, sagte der Kreishaus-Vize. Der Personalbedarf in Industrie und Handwerk sei groß, zugleich böten sich jungen Menschen hervorragende Zukunftschancen. Genau hier soll das Open Lab ansetzen: Wer früh erlebt, wie spannend Technik, Forschung und praktische Entwicklung sein können, entdeckt womöglich auch einen Beruf, der bislang gar nicht auf dem eigenen Radar war.

Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung

Das Thema Wasserstoff hat für den Wirtschaftsstandort Stade in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit dem Hanseatic Hydrogen Center for Aviation and Maritime (H2AM) wurde Stade als einer von bundesweit vier Standorten für Wasserstoffinnovationen in der Mobilität ausgewählt. Der Schwerpunkt liegt auf Speicher-, Distributions- und Antriebssystemen für die Luft- und Schifffahrt. Lars Kolk, Erster Stadtrat der Hansestadt Stade, unterstreicht: „Die Region verfügt mit dem CFK Valley über ein leistungsfähiges Innovationsumfeld aus Forschung, Wissenschaft und Industrie, dessen Kompetenzen nun auch für junge Menschen nutzbar gemacht werden können.“ 

Ministerin Melanie Walter und der Erste Kreisrat Thorsten Heinze weisen darauf hin, wie wichtig es ist, junge Menschen für technische Berufe zu begeistern | Foto: Florian Viebrock
  • Ministerin Melanie Walter und der Erste Kreisrat Thorsten Heinze weisen darauf hin, wie wichtig es ist, junge Menschen für technische Berufe zu begeistern
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Region setzt auf Fachkräfte von morgen

Das Förderprojekt gehört zur Zukunftsregion Süderelbe. Sie besteht aus den Landkreisen Harburg und Stade, dem Landkreis und der Hansestadt Lüneburg sowie der Süderelbe AG. Für Projekte im Handlungsfeld „Regionale Innovationsfähigkeit“ stehen der Zukunftsregion bis 2029 sechs Millionen Euro aus den EU-Förderfonds EFRE und ESF+ zur Verfügung. Bei einer regionalen Kofinanzierung können damit Projekte mit einem Gesamtvolumen von fast zehn Millionen Euro umgesetzt werden.

Mit der Förderung für Open Lab und Protospace bekommt das H2AM damit auch eine ausgesprochen junge Seite. Während in den Forschungsbereichen an Technologien rund um Wasserstoff und Leichtbau gearbeitet werden soll, darf der Nachwuchs gleich nebenan tüfteln, testen und ausprobieren. Vielleicht beginnt genau dort die Karriere der nächsten Ingenieurin, des nächsten Mechatronikers oder der nächsten Wasserstoffexpertin.

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Das steckt hinter H2AM

Was bedeutet H2AM?

H2AM steht für Hanseatic Hydrogen Center for Aviation and Maritime. Das Zentrum gehört zu einem bundesweiten Netzwerk von Innovations- und Technologiezentren für Wasserstoff. Ziel ist es, neue Wasserstofftechnologien für die Mobilität zu entwickeln, zu erproben und Unternehmen bei Forschung, Prüfung und späterer Anwendung zu unterstützen. Der norddeutsche Verbund umfasst Stade, Hamburg sowie Bremen/Bremerhaven.

Wie kam Stade ins Spiel?

Die Hansestadt hatte sich 2021 in einem nationalen Standortwettbewerb des damaligen Bundesverkehrsministeriums beworben und wurde gemeinsam mit Hamburg sowie Bremen/Bremerhaven als norddeutscher Standort ausgewählt. Das Vorhaben trug zunächst den Namen „ITZ Nord“ und wurde später in H2AM umbenannt. Nach Verzögerungen und einer erneuten Prüfung der Förderzusagen erhielt Stade Anfang 2025 die endgültige Zusage des Bundes.

Wie viel Geld fließt nach Stade?

Für den Stader Standort stehen rund 24 Millionen Euro Bundesförderung zur Verfügung. Rund neun Millionen Euro davon sind nach Angaben der Projektentwicklung Stade für das neue Forschungsgebäude in Ottenbeck vorgesehen. Hinzu kommt jetzt die Förderung von rund einer Million Euro für Open Lab und Protospace aus dem Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“.

Wo entsteht H2AM?

Das Zentrum wird im Stader Stadtteil Ottenbeck direkt neben dem Forschungszentrum CFK NORD gebaut. Geplant sind Labor- und Hallenflächen, Büros und Projektbereiche. Die unmittelbare Nachbarschaft zum bestehenden Leichtbau-Forschungsstandort ist kein Zufall: Dort gibt es bereits langjährige Kompetenzen bei kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen und anderen Leichtbaumaterialien.

Woran wird dort geforscht?

Der Stader Schwerpunkt liegt auf Speicher-, Verteil- und Antriebssystemen für Wasserstoff in Luftfahrt und Schifffahrt. Entwickelt und getestet werden sollen kleine und große Leichtbaustrukturen für Wasserstoffanwendungen – von der Materialauswahl und Fertigung über automatisierte Montage und Bearbeitung bis zur Systemintegration. Auch Funktionsprüfungen unter extrem niedrigen, sogenannten kryogenen Temperaturen sind vorgesehen.

Warum gerade Stade?

Der Standort verbindet mehrere Stärken: die Nähe zur Elbe und zum Seehafen, die starke Luftfahrtindustrie rund um Airbus sowie das vorhandene Know-how des CFK NORD und des CFK Valley. Wasserstoff und Leichtbau ergänzen sich dabei besonders gut: Wenn Fahrzeuge, Flugzeuge oder Schiffe weniger wiegen, benötigen sie auch weniger Energie.

Wer arbeitet bei H2AM zusammen?

Zu den Partnern in Stade gehören die Hansestadt Stade, die Projektentwicklung Stade, Fraunhofer IFAM, das DLR-Institut für Systemleichtbau und der Forschungsverbund HP CFK mit den Universitäten Braunschweig, Clausthal und Hannover. Hinzu kommt der Verein Lightweight for Hydrogen Stade, der Wissenstransfer, Nachwuchsförderung und die Vernetzung der Wasserstoffakteure vorantreiben soll.

Was hat die Wirtschaft davon?

H2AM soll nicht nur Grundlagenforschung betreiben. Unternehmen sollen dort Technologien entwickeln, Bauteile testen und spezialisierte Prüf- und Entwicklungsleistungen nutzen können, die am freien Markt bislang nicht in ausreichendem Umfang verfügbar sind. Damit soll der Weg von der Forschung in die industrielle Anwendung verkürzt werden.

Ministerin Melanie Walter (3. v.li.) übergab einen Förderbescheid in Höhe von einer Million Euro | Foto: Süderelbe AG
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Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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