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Küstenautobahn: Fluch und Segen

Fragen zum Bauverfahren der A20 beantwortete der Technische Leiter Jörg Ölze (hi. Mitte)
 
Eleonore Lemke aus Hechthausen befürchtet Lärmzunahme durch Zubringerverkehr

A20-Infomarkt in Oldendorf und Engelschoff / Planer Reinmar Wunderling: "Jede Meinung ist gefragt"

tp. Oldendorf. Noch ist es eine gezeichnete Entwurfs-Trasse mit Linien, Farbfeldern, Buchstaben und Zahlen auf Landkarten - doch bereits im Jahr 2030 soll die Küstenautobahn A20 im Landkreis Stade fertig sein. Die einen freuen sich, über den geplanten Tunnel bei Drochtersen dann auf kurzem Wege über die Elbe zu gelangen oder über das künftige  Kehdinger Kreuz mit Anschuss an die A26 bequem nach Stade zu kommen, andere wollen das weit voran geschrittene Mega-Verkehrsprojekt am liebsten stoppen. "Wir interessieren uns für alle Standpunkte", betonte Reinmar Wunderling von der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade, am Dienstag vergangener Woche beim A20-Info-Markt in Oldendorf.

Mit seinen Kollegen aus der Projektleitung, Sebastian Mannl und Inken Wellach, sowie Jörg Ölze, Technischer Leiter Abschnitt 7, stand Wunderling Rede und Antwort zu Detailfragen zum Trassenverlauf, Bauverfahren - oder zum Schallschutz. Eleonore Lemke (69) aus Hechthausen im Kreis Cuxhaven beispielsweise befürchtet eine massive Zunahme des Motorenlärms durch Zubringerverkehr über die B73. "Ich wohne 300 Meter von der Bundesstraße entfernt, dort ist es schon jetzt sehr laut", gibt sich die Seniorin besorgt. "Ein juristisch schwieriges Thema", räumte Planer Wunderling ein, "Sie haben rechtlich erstmal keine Handhabe". Grund: Bei Bundesstraßen handele es sich gegenüber Autobahnen um ein untergeordnetes Straßennetz, das Bestandsschutz genieße. Er riet der Anwohnerin, sich im Zuge der in einigen Monaten beginnenden förmlichen Plan-Auslegung trotzdem mit einer kritischen Stellungnahme zu beteiligen. "Solche Einwendungen sind von den Planern in jedem Fall zu zu würdigen." Eleonore Lemke möchte möglicherweise noch einen Schritt weiter gehen und sich einem Klagefonds gegen die A20 anschließen.

Einer, dem der Autobahnbau über die Stader Geest bis nach Kehdingen gar nicht schnell genug gehen kann, ist Rüdiger Rohmann (70) aus Düdenbüttel. Angesichts der vor den Planern stehenden langwierige Schritte wie Grundstückserwerb und die Schaffung von Ausgleichsflächen für Tiere und Pflanzen rechnet er nicht mit einer pünktlichen Fertigstellung: "Ich werde wohl weder die Autobahn noch den Elbtunnel miterleben."

Für das Kehdinger Autobahnkreuz wird Ende 2019 die Baureife per Planfeststellungsbeschluss erwartet. Im Jahr 2021 sollen die Baustraßen für die A20 errichtet werden. Der Baustart für den Damm, der schrittweise mit Sand auf weichem Moorboden aufgeschüttet wird, wird für 2022/2023 angepeilt. 

Zwei befreundete Ehepaare, die im dünn besiedelten Landstrich an der künftigen Autobahn-Zubringerstrecke L114 bei Oldendorf wohnen, hingegen hoffen sogar, dass der A20-Bau noch lange auf wich warten lässt. Ihre Wohngrundstücke liegen 250 Meter voneinander entfernt, mitten hindurch legten die Planer den künftigen, bis zu 50 Meter breiten Autobahndamm, der die Nachbarn dann für immer trennt. 

Ebenfalls auf großes Interesse stieß der A20-Info-Markt am Mittwoch in Engelschoff.

http://www.kuestenautobahn.niedersachsen.de