Mahnwache zum Auftakt der 16-Tage-Kampagne
„Getötet, weil sie Frauen sind“ – Winsen setzt Zeichen
- Lichter erinnern in der Winsener Innenstadt an die Opfer von Femiziden und mahnen zum Handeln
- Foto: Landkreis_Harburg
- hochgeladen von Julia Paepcke
Zu einem eindrucksvollen Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt versammelten sich zahlreiche Menschen am Rathausplatz in Winsen zu einer Mahnwache – Kerzen und Grablichter erinnerten an Frauen, die ermordet wurden, weil sie Frauen sind. Damit eröffnete das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Harburg seine 16‑Tage-Kampagne unter dem Motto „Getötet, weil sie Frauen sind“. Die Resonanz war groß und die Botschaft deutlich: Gewalt gegen Frauen betrifft uns alle – und muss endlich aufhören.
Der Bereich rund ums Rathaus verwandelte sich in ein Lichtermeer – als Zeichen des Gedenkens für Astrid (54), Gwen (23), Marie (19) und viele weitere Opfer häuslicher Gewalt. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer nahmen Anteil, während Mitglieder des Netzwerks mit Informationsmaterial über Hilfeangebote aufklärten und bei der sogenannten Brötchentütenaktion Gespräche suchten.
Femizide – Alltag in Zahlen und Realität
Tötungen durch (Ex‑)Partner gehören weltweit zu den häufigsten unnatürlichen Todesursachen bei Frauen. In Deutschland geschieht fast täglich ein Femizid, gleichzeitig sind jede Stunde etwa 15 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen. Häufig werden solche Taten als „Familiendrama“ verharmlost – eine Beschreibung, die Opfer entmenschlicht und Täter entlastet.
Forderungen für besseren Schutz und Prävention
Während der Mahnwache stellte das Netzwerk einen Forderungskatalog vor: Femizide müssen gesetzlich klar definiert und bestraft werden. Gewaltsensible Bildung und Prävention sollen verpflichtend in Kindergärten und Schulen verankert werden. Zudem bedarf es frühzeitiger Schutzangebote für in Trennung lebende Frauen, finanzieller Absicherung gewaltbetroffener Personen sowie einer umgehenden Aufstockung von Frauenhäusern und Beratungsstellen.
Medien werden aufgerufen, respektvoll und verantwortungsbewusst über Gewalt gegen Frauen zu berichten – ohne Verharmlosung oder Täter‑Opfer‑Umkehr. Täterarbeit soll verbindlich und finanziert werden, um patriarchale Strukturen zu durchbrechen und die Wurzeln von Gewalt zu bekämpfen.
Rückendeckung von Politik und Polizei
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Andrea Schrag, betonte: „Gewalt ist Macht, Kontrolle und Besitzdenken – nicht etwa ein Irrtum oder eine Eskalation.“ Kreistagsvorsitzender Rudolf Meyer forderte, Opfern endlich zuzuhören und jungen Männern Respekt vorzuleben. Auch der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Thomas Meyn, forderte öffentliches Engagement: „Schweigen tötet – jede Anzeige kann Leben retten.“
Hilfe und Informationen
Betroffenen und Hilfesuchenden stehen im Landkreis Harburg zahlreiche Einrichtungen zur Verfügung – vom Frauenhaus über Beratungsstellen bis zum Hilfetelefon (116 016). Zusätzlich bieten Krankenhäuser eine vertrauliche Dokumentation von Verletzungen und Spuren für spätere Anzeigen an – auch ohne Voranmeldung oder Anzeigezwang.
Diese Mahnwache und der Auftakt der 16‑Tage-Kampagne sollen nicht nur mahnen, sondern aufrütteln: Gewalt gegen Frauen darf kein Tabu bleiben. Es braucht klar benannte Begriffe, konsequenten Schutz und eine Gesellschaft, die hinschaut und handelt.
Redakteur:Julia Paepcke aus Buchholz |
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