Landkreis stellt neuen Internetauftritt und Gebäudebeschilderung vor
Waren diese 335.000 Euro wirklich notwendig?

Landrat Rainer Rempe (2. v. re.) stellte gemeinsam mit Fachbereichsleiter Reiner Kaminski (li.) sowie den Projektleitern Dr. Susanne Dahm und Bernhard Frosdorfer den neuen Internetauftritt und die Gebäudebeschilderung vor
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Jetzt ist es offiziell: Landrat Rainer Rempe gab am Donnerstag die neue Homepage der Landkreises Harburg frei. Damit ist ebenfalls ein Relaunch des Logos sowie eine neue Struktur der Gebäudebeschilderung verbunden. Der Landkreis lässt sich die Maßnahme 335.000 Euro kosten - das hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt.

mum. Winsen.
Gut Ding braucht Weile - im Fall des Landkreises Harburg müsste es wohl eher heißen: Gut Ding braucht viel Steuergeld. Am Donnerstag präsentierten Landrat Rainer Rempe, Fachbereichsleiter Reiner Kaminski sowie die Projektleiter Dr. Susanne Dahm und Bernhard Frosdorfer den neuen Internetauftritt und die Gebäudebeschilderung des Landkreises. Keine Frage, ein zeitgemäßer Online-Auftritt ist heute sehr wichtig. Allerdings müssen sich die Verantwortlichen die Frage stellen lassen, ob das ganze Konzept, zu dem auch ein neues Logo gehört, mehr als 335.000 Euro wert ist. "Ja, das ist es", sagt Rempe. "Der Relaunch ist kein Selbstzweck. Wir haben das für unsere Bürger gemacht."

Die Kommunikation im Vorfeld verlief unglücklich: Bereits Mitte Januar präsentierte die Pressestelle des Landkreises auf ihrer Facebookseite das neue Logo. Es zeigt einen stilisierten Löwen, dazu den Schriftzug "Landkreis Harburg". Das Logo ist in schlichtem Blau gehalten. Nur der Kopf des Löwen hat etwas Violett abbekommen. "Das steht für die Heide", so Landkreissprecher Bernhard Frosdorfer damals auf Nachfrage. "Und das Blaue symbolisiert die Elbe."
Der Landkreis teilte unter dem Facebook-Post im Januar mit, dass weitere Informationen zum Logo innerhalb einer Woche folgen sollten. Doch das war nicht der Fall. Erst als das WOCHENBLATT nachfragte, informierte der Landkreis über das Konzept. Selbst gut vernetzte Landkreis-Politiker wollten von dem Logo-Relaunch nichts gewusst haben. Tatsächlich gab Landrat Rempe das Konzept nur im nicht-öffentlichen Kreisausschuss zur Kenntnis - ohne Abstimmung. Eine Diskussion im Kreistag fand nicht statt. Muss sie auch nicht, denn "die Gestaltung der Außendarstellung ist ein klassisches Geschäft der laufenden Verwaltung und liegt damit in der Zuständigkeit des Landrats", so Frosdorfer.

Rempe ärgert sich noch heute über die Kritik einzelner Politiker: "Bei der Präsentation vor den Fraktionsspitzen gab es keinen Widerspruch - nur Zustimmung. Wer aus diesem Kreis behauptet, nicht informiert worden zu sein, der lügt." Konkret spielt der Landrat auf Ruth Alpers, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, an. "An der Homepage muss etwas gemacht werden. Damit sind wir einverstanden. Aber beim Rest bezweifele ich die Notwendigkeit", kritisierte sie damals.

Konkret zahlt der Landkreis 102.000 Euro (unter anderem für die Überarbeitung des Markenauftritts, des Internetauftritts und der Beschilderung). Für die Umsetzung rechnet Frosdorfer mit weiteren 153.000 Euro für die Innen- und Außenbeschilderung (46 Außen- und 548 Innenschilder), etwa 64.000 Euro für den neuen Internetauftritt und 16.000 Euro für das bereits umgesetzte Design-Manual. Das neue Design werde für den neuen Internetauftritt, die Gebäudebeschilderung, den internen und externen Schriftverkehr sowie sukzessive für alle Druckerzeugnisse des Kreises verwendet. Rempe: "Es werden keine Flyer oder Broschüren weggeworfen. Wir produzieren erst neu, wenn der Bestand aufgebraucht ist."
Im Preis eingeschlossen sei laut Rempe die Demontage der alten Beschilderung sowie das Anbringen der neuen Hinweisschilder. "Der Austausch findet nach und nach statt", so Dr. Susanne Dahm. Aufgrund der Corona-Krise komme es zu Verzögerungen.
Ausgangspunkt für den Komplett-Relaunch sei der aktuelle Internetauftritt des Kreises gewesen. "Die Kreisverwaltung erhielt in den vergangenen Jahren von verschiedenen Seiten - Bürgern, der Politik, von Bewerbern, von Medienvertretern, aber auch aus der eigenen Mitarbeiterschaft - immer wieder die Rückmeldung, dass unser Internetauftritt überarbeitet werden muss", so Frosdorfer. "Darüber hinaus ist auch die Außendarstellung der Angebote und Dienstleistungen mittlerweile in die Jahre gekommen." Logo und Design wurden 2002 entwickelt. Die Gebäudebeschilderung entspreche nicht mehr den Anforderungen einer zeitgemäßen Benutzerführung. "Außerdem erschienen die Publikationen des Kreises nicht in einem einheitlichen Design." Vorerst wird die Presseabteilung des Landkreises dafür zuständig sein, dass das Corporate Design von allen Landkreis-Abteilungen eingehalten wird. "Wir schauen bei jeder Veröffentlichung genau hin", so Frosdorfer.

Verantwortlich für das neue Logo ist die Agentur "Elbfeuer" aus Hamburg. Eine öffentliche Ausschreibung hätte es nicht gegeben. "Die Arbeitsgruppe hat zwölf Agenturen ausgewählt und um ein Angebot gebeten", so Frosdorfer. Darunter seien auch zwei Agenturen aus dem Landkreis Harburg gewesen, "die allerdings kein Angebot abgegeben haben".

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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