CDU diskutiert Lösungswege
Bürokratie und Kosten bremsen Wohnungsbau

Von links: Bürgermeister André Wiese und der ehemalige Landrat Axel Gedaschko | Foto: Jan Filter
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Zu viel Bürokratie und explodierende Kosten bremsen den Bau neuer Wohnungen nicht nur in Winsen und dem Landkreis massiv aus. Um Lösungen für den drängenden Wohnraummangel zu finden, lud die CDU in Winsen jetzt zur offenen Diskussion ins „FachWerk“ ein. Dafür konnte sie den ehemaligen Landrat des Landkreises Harburg Axel Gedaschko ein, der als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) tiefen Einblick in die Gründe hat, aus denen gebaut wird - oder eben nicht. Winsens Bürgermeister André Wiese gab Einblick, wie das Thema aus der Perspektive der Verwaltung aussieht und beide stellten sich auch den Fragen aus dem Publikum - moderiert vom Vorsitzenden der Winsener CDU Jan Malte Wieben.

Der Tenor des Abends war eindeutig: Bauen ist zu teuer geworden. „Wer heute bauen will, braucht sehr viel Geduld, ganz viel Geld und extrem starke Nerven“, betonte Gedaschko. Er kritisierte die immensen Baustandards: „Wir haben in der Vergangenheit falschen, teuren Zuckerguss gefördert.“ Statt Luxus-Dämmung müsse wieder bezahlbarer Wohnraum in den Fokus rücken. Zustimmung kam aus dem Publikum von Handwerksmeister Jan Jürgens, der die lähmenden Vorschriften für den Baufortschritt beklagte. Hoffnung biete künftig der sogenannte „Gebäudetyp E“, der einfaches Bauen abseits starrer Goldstandards ermöglichen soll. Auch ein überzogener Naturschutz, bei dem der Mensch kaum noch vorkomme, bremse laut Gedaschko oft dringend benötigte Projekte aus.

Was diese Überregulierung für die Stadtverwaltung bedeutet, schilderte André Wiese: „Wir müssen das Gaspedal durchtreten.“ Als warnendes Beispiel nannte der Bürgermeister das Baugebiet in Pattensen, wo sich das Verfahren für 48 Wohneinheiten seit fünf Jahren hinzieht. 360 Seiten Unterlagen mussten von Fachbüros erstellt werden, um absolute Rechtssicherheit gegen mögliche Klagen zu gewährleisten – ein Aufwand, der wertvolle Zeit raubt und die Grundstückspreise für junge Familien in die Höhe treibt.

Hoffnung auf Besserung macht der neue „Bauturbo“ zur Nachverdichtung. Wiese nannte ein konkretes Projekt in Rottorf, wo nun unbürokratisch ein weiteres Vier-Familienhaus entsteht. So bleibe die Dorfstruktur erhalten und junge Menschen fänden bezahlbare Bleibe in ihrer Heimat. Großes Potenzial für bis zu 100 neue Wohneinheiten sieht Wiese zudem in der Innenstadt, insbesondere an der Bahnhofstraße.

Einig waren sich Wiese und Gedaschko über die enorme Bedeutung privater Kleinvermieter. Diese verzichteten oft auf die maximale Rendite und sicherten so den sozialen Frieden. Immer neue Auflagen dürften diese Gruppe nicht frustriert zum Verkauf ihrer Immobilien drängen.

Abschließend ermutigte Wiese die Bürger: Wer auf seinem Grundstück nachverdichten möchte, stößt im Rathaus auf offene Ohren.

Von links: Bürgermeister André Wiese und der ehemalige Landrat Axel Gedaschko | Foto: Jan Filter
Für Gedaschko sind Bürokratie und immer neue Auflagen die größte Bremse, wenn es um das Schaffen von Wohnraum geht | Foto: Jan Filter
Redakteur:

Jan Filter aus Winsen

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