Positive Bilanz und viel Tatkraft
Landrat Rainer Rempe blickt auf das Jahr 2025 zurück
- Landrat Rainer Rempe blickt zum Jahreswechsel auf 2025 zurück
- Foto: Landkreis Harburg
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Was wird uns vor allem in Erinnerung bleiben, wenn wir an 2025 zurückdenken? Die immer spürbarer werdenden Folgen des Klimawandels, die unsichere politische und ökonomische Weltlage, das Anwachsen von Demokratiefeindlichkeit und Populismus? Vielleicht. Ich möchte den Blick an dieser Stelle aber lieber auf das richten, was wir im Landkreis Harburg trotz aller Herausforderungen und vielleicht auch gerade deswegen in den zurückliegenden zwölf Monaten alles erreicht haben.
Digitalisierung
Ein wichtiges Thema ist die Digitalisierung. Unser Ziel ist dabei, den Zugang zu Services und Dienstleistungen zu erleichtern.
Neu hinzugekommen ist im vergangenen Jahr die Möglichkeit, als Gastgebender im Rahmen eines Antrags auf ein Besuchsvisum eine Verpflichtungserklärung vollständig online abzugeben.
Ebenso eingeführt wurden die Online-Services zur Meldung erlaubnispflichtiger Wasserentnahmen und zum Antrag auf Genehmigung für Gehölzentnahme.
Künstliche Intelligenz (KI)
Außerdem nimmt der Landkreis Harburg als eine von acht Pilotkommunen bundesweit am Testlauf für den KI-Chatbot der Behördennummer 115 teil. Künstliche Intelligenz unterstützt Bürgerinnen und Bürger an dieser Stelle bei Fragen an die Verwaltung. Das trifft auch auf Chatbot Knut zu, der bereits seit Mitte Juni bei allen Fragen rund um das Thema Abfall weiterhilft.
E-Mobilität und Klimaschutz
Voranschreiten wollen wir auch beim Thema Klimaschutz und Mobilität: Der Landkreis Harburg möchte zur Modellregion für Elektromobilität werden und plant, bis 2030 eine flächendeckende und privat betriebene öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zwischen Elbe und Heide zu schaffen. Für das sogenannte „Harburger Modell“ wurde in 2025 mit der Ausschreibung des Aufbaus und Betriebs von insgesamt 690 Ladepunkten an 225 Standorten begonnen.
Digitalisierung und Verkehr
Im zurückliegenden Jahr erfolgreich abgeschlossen wurde das Projekt USIN5G. Das mit 3,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr geförderte 5G-Leuchtturmprojekt ist es dem Landkreis Harburg und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WLH gelungen, im TIP Innovationspark Nordheide Wirtschaft und Wissenschaft zur Erprobung innovativer Anwendungen und Geschäftsmodelle auf Basis von 5G zusammenzubringen. Im TIP ist das Thema 5G damit aber alles andere als zu Ende: Unternehmen und Hochschulen finden dort weiterhin eines der europa- und deutschlandweit leistungsfähigsten und flexibelsten 5G-Campusnetze für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer. Ein echter Vorteil für den Wirtschaftsstandort, der durch die Schaffung eines 5G-Kompetenzzentrums für kleine und mittlere Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Kleine und mittlere Unternehmen stehen auch im Fokus der KMU Förderung, auf deren zehnjähriges Bestehen wir in 2025 geblickt haben. Seit 2015 wurden im Rahmen dieses Programms knapp 160 kleine und mittlere Unternehmen mit 4,4 Mio. Euro gefördert, Investitionen in Höhe von rund 115 Mio. Euro ausgelöst, knapp 1.200 Arbeitsplätze gesichert und 600 Stellen geschaffen. Das zahlt sich aus: Beim Wirtschaftswachstum rangieren wir deutlich über Landes- und Bundesdurchschnitt und die kleineren und mittleren Unternehmen im Landkreis haben dabei eine zentrale und wertvolle Rolle.
Gründungen und Arbeitsplätze
Die Nase vorn hat der Landkreis Harburg auch beim Thema Gründen, was 2025 erneut Spitzenplätze beim aktuellen Startup-Monitor Niedersachsen und beim bundesweiten Gründungs-Ranking belegen. Ganz wichtig bei der Frage, ob sich Unternehmen in der Region ansiedeln und neue Arbeitsplätze schaffen oder ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Landkreis als attraktiven Arbeits- und Wohnort erleben, sind die hiesigen Standortbedingungen.
Investitionen im Verkehrssektor
Auch in 2025 haben wir kräftig investiert und unter anderem eines der größten Straßenbauprojekte der vergangenen Jahre begonnen. Seit Anfang Mai läuft der Aus- und Umbau der Osttangente (K84) in Winsen in mehreren Abschnitten. Bereits Anfang Juli startete der zweite Bauabschnitt, der rund zwei Monate früher als geplant abgeschlossen werden konnte. Hierdurch konnten wir den dritten Bauabschnitt auf Herbst 2025 vorziehen und bis Anfang Dezember abschließen. Im März 2026 folgt dann der letzte Abschnitt. Immerhin seit Anfang Dezember wieder einspurig und mit Ampelsteuerung befahrbar ist die Bahnbrücke im Zuge der K22 in Stelle, die Anfang Februar wegen mangelnder Tragfähigkeit sehr kurzfristig gesperrt werden musste. Im Jahresverlauf gaben Gutachter grünes Licht für die eingeschränkte Befahrbarkeit. Klar ist dennoch: Für diese Brücke muss ein Ersatz her.
Erfolgreich saniert wurde in 2025 dagegen die Canteleubrücke in Buchholz. Auch wenn die Schäden massiver waren als zunächst angenommen und die Maßnahme dadurch umfangreicher ausfiel, als ursprünglich geplant: Seit Anfang Oktober gilt in Buchholz wieder freie Fahrt auf der K28. Die haben auch Radfahrer auf dem erneuerten Radweg entlang der K77 in Hittfeld.
Wohnen und Bauen
Zu den wichtigen Standortfaktoren gehört auch das Thema Wohnen. Hier ist die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Harburg – kurz KWG – aktiv. Mitte August wurde das Richtfest für ein neues Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten in Salzhausen gefeiert – die Fertigstellung ist für das kommende Frühjahr geplant. An der Luhdorfer Trift in Winsen sind aktuell 22 Wohnungen ebenfalls in Mehrfamilienhäusern im Bau, 17 Wohneinheiten entstehen in Quarrendorf. Außerdem haben wir die Gemeinde Egestorf als neuen Gesellschafter der KWG begrüßt, die zudem direkt ein Grundstück am Spechtweg für ein erstes Projekt einbringt.
Bildung
Hohe Priorität hat für den Landkreis der Bereich Bildung. Hier investieren wir nicht nur laufend in unsere Schulgebäude, sondern haben seit einiger Zeit besonders den Übergang von der Schule in den Beruf in den Blick genommen. Im April fand hierzu beispielsweise ein Workshop zur Bildungskommune Landkreis Harburg statt. Ziel ist es unter anderem, die Angebote innerhalb der kommunalen Bildungslandschaft noch besser aufeinander abzustimmen und miteinander zu verzahnen. Durch Projekte wie die jährliche Praktikumswoche, aber zum Beispiel auch den Tag der Wirtschaft, der im kommenden Jahr wieder stattfinden wird, oder Workshops und Austauschformate, fördert der Landkreis Harburg ganz gezielt den Kontakt zwischen Unternehmen und Schulabgängern sowie den Austausch zwischen Wirtschaft, Institutionen und Bildungseinrichtungen.
Verbesserungen im medizinischen Bereich
Um Vernetzung geht es im Grunde auch beim Thema Telenotfallmedizin im Rettungsdienst – in diesem Fall allerdings um die digitale Vernetzung. Seit Anfang April wird im Landkreis Harburg auf diese innovative Technik gesetzt, um Patientinnen und Patienten im Notfall noch besser versorgen zu können. Dank schneller und sicherer digitaler Übertragungswege sind medizinische Leistungen so auch aus der Ferne möglich und medizinisches Spezialwissen gelangt schnell dorthin, wo es im Notfall gebraucht wird – ohne lange Anfahrtswege.
Ebenfalls in 2025 eingeführt wurde die monatliche Impfsprechstunde beim Landkreis. Erfahrene Medizinerinnen beraten über Impfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mit dem Ziel, unsere Krankenhäuser in Buchholz und Winsen für die Zukunft medizinisch stark und wirtschaftlich stabil aufzustellen, hat der Aufsichtsrat den Startschuss für eine umfassende Restrukturierung der Krankenhäuser gegeben. Angesichts der weiterhin angespannten finanziellen Situation aller Krankenhäuser ist es umso wichtiger, rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Weiterhin völlig klar ist, dass der Landkreis Harburg fest an der Seite seiner Krankenhäuser steht und ich mich auch weiterhin als Landrat und Vorsitzender der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft persönlich dafür stark machen werde, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auf eine qualitativ hochwertige und verlässliche wohnortnahe Gesundheitsversorgung in öffentlicher Hand verlassen können.
Damit im medizinischen Notfall, konkret im Falle eines Herz-Kreislauf Stillstandes, Hilfe so schnell wie möglich vor Ort ist, hat der Landkreis Harburg in 2025 das Projekt „Mobile Retter“ mit großem Erfolg weitergeführt. Inzwischen haben wir über 750 Mobile Retterinnen und Retter. Sie werden, wenn sie sich in der Nähe befinden, im Ernstfall alarmiert und können so in deutlich über der Hälfte aller Fälle noch vor dem Rettungsdienst vor Ort sein, um die Reanimation von den Ersthelfenden zu übernehmen und konsequent fortzuführen.
Seit Anfang November ist der Landkreis Harburg auch in die regionsübergreifende Alarmierung eingebunden. Das bedeutet, dass Mobile Retterinnen und Retter aus anderen teilnehmenden Landkreisen auch bei Notfällen im hiesigen Kreisgebiet alarmiert werden und umgekehrt. Die Mobilen Retterinnen und Retter sind nur ein Beispiel für das breite ehrenamtliche Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger, für das ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.
Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Ohne das Ehrenamt in Vereinen, Initiativen, im Sport, in der Kultur oder Politik wären viele Projekte, Hilfs- und Unterstützungsangebote oder Veranstaltungen schlicht nicht möglich. Alle Menschen, die sich hier engagieren, leisten einen ganz wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Um Zusammenhalt, die Bedeutung und den hohen Wert unserer Demokratie sowie den Einsatz für Frieden und Freiheit ging es im Mai auch bei unserer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die feierliche Gedenkstunde rückte noch einmal in den Fokus, dass unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Engagement jedes Einzelnen fordert.
Windkraft
Auf breites öffentliches Interesse stieß auch im zurückliegenden Jahr das Thema Windkraft. Die erste öffentliche Auslegung wurde seitens der Kreisverwaltung von zahlreichen Informationsveranstaltungen begleitet. Die große Anzahl an Stellungnahmen, die sich noch immer in der Abwägung befinden zeigt, wie sehr das Thema die Bürgerinnen und Bürger bewegt. Gleichzeitig besteht die gesetzliche Notwendigkeit, gezielt und ausreichend Flächen für Windkraft auszuweisen, um Einfluss auf die Ansiedlung der Windkraftanlagen nehmen zu können und einem drohenden „Wildwuchs“ durch die sogenannte Superprivilegierung ab 2028 entgegenzutreten. Natürlich wird uns dieses Thema auch im kommenden Jahr intensiv beschäftigen.
Bahnverkehr
Spannend bleibt es auch beim Thema Neubautrasse Hamburg-Hannover. Im zurückliegenden Jahr hat die Bahn mit ihrem neuerlichen Vorstoß für einen Neubau alle bisherigen Vereinbarungen vom Tisch gewischt und versucht nun, ihre Pläne mit Verkehrsprognosen, Kostenrechnungen und Zeitschienen, an denen man zu Recht zweifeln kann, durchzudrücken.
Wir fordern daher weiterhin, dass nicht erneut Jahrzehnte vertan werden, sondern der vereinbarte Ausbau der Bestandsstrecke im Rahmen der anstehenden Sanierung erfolgt, um endlich eine Optimierung des Schienenverkehrs zu erreichen. Hierfür müssen die Möglichkeiten der Qualitätsoffensive in 2026 und die für 2029 geplante Generalsanierung optimal genutzt werden, um zeitnah Verbesserungen für die vielen Pendlerinnen und Pendler zu schaffen.
Abfallentsorgung
Deutliche Verbesserung fordert der Landkreis gemeinsam mit seinen Kommunen auch beim Thema Abfallentsorgung, konkret der Abfuhr von Leichtverpackungen im Auftrag der Dualen Systeme. Hier hat es in der zweiten Jahreshälfte immer wieder größere Verzögerungen und Ausfälle bei der Abholung der Gelben Säcke gegeben. Ab Januar wird nun die Gelbe Tonne eingeführt und es bleibt zu hoffen, dass diese künftig verlässlich geleert werden. Dass grundsätzlich großes Interesse an Themen der Abfallwirtschaft besteht, hat im zurückliegenden Jahr der Tag der offenen Tür auf dem Kompostplatz in Drage gezeigt. Rund 450 Besucherinnen und Besucher nutzten die Chance, sich über die Aspekte und Abläufe der Kompostierung zu informieren.
Naturschutz im Landkreis und damit zusammenhängender Tourismus
Reges Interesse rufen auch immer wieder die Naturschutzmaßnahmen im Landkreis hervor – sowohl bei Bürgerinnen und Bürgern als auch bei Gästen. Im vergangenen Jahr hatten wir davon gleich eine ganze Menge: Pflegemaßnahmen auf den Magerrasenflächen am Langenberg bei Wulfsen, die Schaffung einer Brutwand für Uferschwalben im Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung oder das Wildbienenkliff, das am Bornberg in der Wulmstorfer Heide entstanden ist.
Bei Wistedt hat die Oste ihren Verlauf nach historischem Vorbild zurückerhalten, wodurch neuer Lebensraum für Kraniche, Fischotter und Libellen geschaffen wurde. Eine weitere Naturschutzmaßnahme im Springmoor bei Hollenstedt hatte zum Ziel, den ökologischen Verbund von Moor, Heide und Wald zu stärken. Im Rahmen des Biotopverbunds zwischen Lüneburger Heide, Büsenbachtal und Brunsberg hat der Landkreis Harburg außerdem Waldränder und den Schulwald in Handeloh umgestaltet und die Dohrener Heide und den angrenzenden Wald im Sinne des Naturschutzes weiterentwickelt. All diese Maßnahmen sind nicht nur gut für Flora und Fauna, sondern machen unsere Region auch zu einem einzigartigen Naherholungsgebiet und touristischen Ausflugsziel mit weiter steigenden Besuchs- und Übernachtungszahlen.
Diese Entwicklung weiter zu fördern, aber vor allem auch den ÖPNV für unsere Bürgerinnen und Bürger zu verbessern, ist das Ziel unserer neuen Buslinie 4000, der „Heidschnucke“, die direkt von Winsen quer durch das gesamte Kreisgebiet nach Tostedt führt und durch die viele Orte an der Strecke erstmals einen regelmäßigen ÖPNV-Anschluss bekommen.
Am 13. Dezember ist die Heidschnucke auf Jungfernfahrt gegangen und verkehrt nun im Stundentakt und fährt an vielen beliebten Ausflugszielen vorbei.
ÖPNV und Barrierefreiheit
Ein weiteres wichtiges Thema im ÖPNV ist die Barrierefreiheit. Auch hier sind wir 2025 einen Schritt weitergekommen und haben vier Haltestellen in Bendestorf barrierefrei umgebaut. Weitere Haltestellen werden in 2026 folgen. Wie der ÖPNV werden uns viele dieser Themen auch im kommenden Jahr bewegen.
Haushalt
Als Grundlage für unser Handeln, für Investitionen und zukünftige Vorhaben hat der Kreistag im Dezember den neuen Doppelhaushalt verabschiedet. Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass unser Handlungsspielraum weiterhin stark eingeschränkt bleibt, allein die Sozialausgaben machen 77 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Gleichzeitig wollen und müssen wir aber weiter investieren: in unsere Infrastruktur, in Bildung, die Gesundheitsversorgung und Wirtschaftsförderung. In vielen Bereichen sind wir als Kommunen darauf angewiesen, dass Land und Bund endlich Rahmenbedingungen schaffen, die uns finanziell stärker entlasten und eine verlässliche Planung ermöglichen.
In jedem Fall können Sie sich darauf verlassen, dass ich mich als Landrat weiterhin mit all meiner Kraft dafür einsetzen werde, den Landkreis Harburg in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Das tue ich mit Zuversicht, denn unsere Voraussetzungen sind gut: Wir sind eine wachsende Wirtschaftsregion mit einem starken, erfolgreichen Mittelstand und steigenden Bevölkerungszahlen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, hieraus das Beste zu machen. In diesem Sinne wünsche Ihnen für das Jahr 2026 alles Gute, Erfolg für alle anstehenden Vorhaben, aber vor allem Gesundheit.
Redakteur:Julia Paepcke aus Buchholz |
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