Metropolregion Hamburg
OECD-Studie: Hamburg und sein Umland sollen besser zusammenarbeiten

Stellvertretender OECD-Generalsekretär Ludger Schuknecht (v. li.), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof mit der 200 Seiten
starken OECD-Studie
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  • Stellvertretender OECD-Generalsekretär Ludger Schuknecht (v. li.), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof mit der 200 Seiten
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(ts). Die Metropolregion Hamburg schöpft ihr Wachtumspotenzial noch nicht aus und hat sich wirtschaftlich weniger stark entwickelt als andere deutsche Kraftzentren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die in Seevetal-Hittfeld vorgestellt wurde. Die OECD rät Hamburg und seinen Kreisen im Umland, besser zusammenzuarbeiten und schlägt einen regionalen Planungsverbund vor.
In der Metropolregion Hamburg leben mehr als 5,3 Millionen Menschen. Sie umfasst die Freie und Hansestadt Hamburg sowie Teile der Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Ihr gehören die Landkreise Harburg und Stade an.
In ihrer Untersuchung vergleichen die OECD-Forscher die Leistungsfähigkeit deutscher Metropolregionen anhand von statistischen Daten. Ihre Erkenntnis: Die Metropolregion Hamburg sei vergleichsweise wenig produktiv.
Die Ursache sei ein geringer Anteil an Bewohnern mit Hochschulabschluss. Nur 14,4 Prozent der Erwerbstätigen in Hamburg und seinem Umland würden über einen Hochschulabschluss verfügen. In sieben anderen Metropolregionen in Deutschland sei der Anteil größer. Der Hochtechnologie-Sektor sei in der Metropolregion Hamburg vergleichsweise klein.
Stark sei die Metropolregion Hamburg in den Branchen Luftfahrt, erneuerbare Energien und Logistik. Insgesamt fehle ihr aber eine gemeinsame Vision. Der stellvertretende OECD-Generalsekretär Ludger Schuhknecht riet Hamburg und den Kreisen im Umland, "groß" zu denken, grenzüberschreitend zu planen und zu kooperieren. Das soll mit der Schaffung neuer, zusätzlicher Verwaltungsgremien gelingen. So schlägt die OECD den Aufbau einer "Innovationsagentur" und einen regionalen Planungsverbund für Verkehrs-, Wohnungs- und Raumplanung vor.
Michael Roesberg, Landrat des Landkreises Stade, dagegen kann zusätzlichen supraregionalen Gremien kaum etwas abgewinnen: „Wir können über viele Vorschläge der OECD reden, aber an erster Stelle müssen wir die täglichen Verkehrsprobleme lösen. Die Menschen in der Metropolregion erwarten da klare Antworten, die zuerst von den Ländern zu beantworten sind. Alles andere kommt danach. Die Gründung eines Planungsverbundes als neue metropolweite Institution wird mit den Landkreisen nicht zu machen sein, damit wird kein Kreistag einverstanden sein können.“
Auch der Landrat im Landkreis Harburg, Rainer Rempe, hält einen zu schaffenden Planungsverbund für keine gute Idee: "Die Wohnungsbau- und Verkehrsplanung vor Ort muss ohne Frage in der Planungshoheit der Kommunen und Landkreise bleiben", sagt er. Ganz oben auf der Agenda des Landkreises Harburg stehe die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und des öffentlichen Personennahverkehrs: "Die OECD-Studie bestätigt uns in unseren Bemühungen, Verkehrsprojekte länderübergreifend besser zu koordinieren und auf eine einheitlichere Tarifstruktur im HVV hinzuwirken", sagt Rainer Rempe.
Tourismusexperte Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, sieht die Idee einer touristischen Vermarktung der Metropolregion Hamburg unter einer Dachmarke Hamburg als nicht hilfreich an: "Eine Dachmarke Hamburg kann im Ausland ein Benefit sein, im Inland ist sie es nicht. Das Allgäu vermarktet sich ja auch nicht unter München. Wir arbeiten sehr zielgruppengerecht und haben national kaum Überschneidungen in den Zielgruppen von Hamburg. Zudem ist der Tourismus der Lüneburger Heide höchst erfolgreich, wir sehen da momentan keine Veranlassung, in der Vermarktung etwas zu ändern. In Deutschland haben wir einen Bekanntheitsgrad von 84 Prozent."
Im Tourismus denke Niedersachsen bereits groß: "Wir sind dabei, ein Open Data System für touristische Daten aufzubauen. Mit allen Regionen. Dies ist ein Bundesprojekt, das heißt, auf Bundesebene fließen alle Daten einheitlich zusammen und können für die nationale und internationale Vermarktung von jedem Partner genutzt werden. Das ist 'Think big' und ein schönes Beispiel, woran der Tourismus schon arbeitet", sagt von dem Bruch.
Für den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Landkreis Harburg (WLH), Jens Wrede, steht die Forderung nach besserer Verzahnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Vordergrund. "Dies zeigt uns, dass wir mit dem TIP Innovationspark Nordheide und unseren Hochschulkooperationen auf dem richtigen Weg sind. Wir setzen die empfohlene Zusammenarbeit über Kommunal- und Ländergrenzen hinweg bereits um und freuen uns, dass auch die Studie aufzeigt, dass sich dadurch die Wachstumschancen deutlich verbessern lassen", sagt er.
• Was hat die Studie eigentlich gekostet? Die Metropolregion Hamburg hat sich sich mit 356.883 Euro daran beteiligt. Die Gesamtkosten seien der Metropolregion nicht bekannt. "Man kann die OECD nicht beauftragen. Sie sucht sich selbst aus, wen sie begutachtet. Daher finanziert die OECD auch einen Basisbetrag selbst", sagt Metropolregionsprecherin Marion Köhler.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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