Überfall auf Puppenlinik in Stade

Kunden müssen klingeln: Hella Minton schließt die Ladentür während der Geschäftszeiten ab
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Brutal beraubt: Hella Minton erlitt körperlichen, psychischen und materiellen Schaden

tp. Stade. Als Expertin für historische Puppen ist Hella Minton (72) aus Stade in der Sammlerszene bekannt. Ihre Kunden schätzen die nostalgische Atmosphäre in dem liebevoll eingerichteten Lädchen „Puppendoktor“ am Rand der Altstadt. Doch seit einem überraschenden Raubüberfall ist die Idylle gestört: Hella Minton leidet körperlich und psychisch unter den Folgen der Gewalttat. Überdies muss sich sich gegen Schließungsgerüchte wehren, die nach der verletzungsbedingten Geschäftspause hartnäckig halten.

Kunden aus ganz Deutschland besuchen das Fachgeschäft an der Kehdinger Straße, zu dem die von Hella Mintons Ehemann Otto (79) betriebene Reparaturwerkstatt „Puppenklinik“ gehört. „Fast alle Kunden sind lieb und nett“, sagt Hella Minton. So auf den ersten Blick auch das Seniorenpärchen, das im Frühjahr mit dem Wohnmobil in Stade Urlaub machte, „nur zum Gucken“ bei der Puppendoktorin vorbei schaute und dabei das Sortiment u.a. mit wertvollen Exemplaren der Marke Käthe Kruse für bis zu 400 Euro in Augenschein nahm.

Wie sich später herausstellte, war dies offenbar nur eine perfide Späh-Aktion: Denn am Dienstag, 26. Juli, kehrte das nach Mintons Angaben aus in Ostfriesland stammende Paar zurück. Wenige Minuten vor der Mittagspause betrat das Duo entschlossenen Schrittes den Laden und füllte nach Mintons Angaben zwei mitgebrachte Wäschekörbe in einer Blitzaktion gezielt mit kostbaren Puppen. Der Mann schlug mit der Faust auf die verzweifelt um Hilfe schreiende Ladenbesitzerin ein. Sie stürzte zu Boden.

Das Gauner-Paar ließ sein wehrloses Opfer kaltherzig in der Ladenecke liegen und warf einen letzten Blick durchs Schaufenster, bevor es seine Beute davon trug. Mit letzter Kraft setzte Hella Minton per Handy den Notruf ab. Die Polizei war binnen weniger Minuten mit drei Streifenwagen vor Ort und stellte das kriminelle Pärchen in einer Nachbarstraße.

Bei der brutalen Attacke erlitt die alte Dame eine blutende Platzwunde an der Lippe und einen Wirbelbruch. Sie musste rund ein Vierteljahr lang ein medizinisches Stützkorsett tragen. Noch heute leidet die Senioren seelisch unter den Folgen des Überfalls, klagt über Schlafstörungen, Angstzustände und plötzliche Weinkrämpfe. Eine Psychiaterin bescheinigte ihr eine posttraumatische Belastungsstörung.
Aus Krankheitsgründen schloss Hella Minton den Laden, der ihr Lebensinhalt ist, schweren Herzens für einige Wochen. Viele Kunden fassten dies fälschlicherweise als Geschäftsaufgabe auf. Der Umsatz sei spürbar zurückgegangen, klagt die Geschäftsfrau.

Hella Minton nahm sich einen Rechtsanwalt und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Zudem will sie Verdienstausfall in vierstelliger Höhe geltend machen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Um sich vor einer erneuten Straftat zu schützen, schließt Hella Minton nun ihren Laden auch während der Öffnungszeiten ab, Kunden müssen klingeln. Zudem legte sie eine Not-Klingelleitung in die Wohnung einer guten Freundin, die über dem Geschäft wohnt.

Trotz der erschwerten Umstände ist Hella Minton fest entschlossen, noch einige Jahre weiterzumachen: „Jetzt erst recht. Die kriegen mich ganz bestimmt nicht klein.“ Für das kommende Weihnachtsgeschäft bereitet sie gerade eine Sonderausstellung vor.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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