Verteidiger bremsen Rocker-Prozess

Verhandlungsstart am Freitag: Großaufgebot an maskierten Polizisten und Journalisten am Stader Landgericht. Der Rocker-Prozess hat einen Medienrummel ausgelöst
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Totschlag-Anklage gegen "Mongols MC": Anwälte kritisieren Rücktritt der Schöffin / "Diffuse Angst"?

tp. Stade. Streng bewacht war der große Saal des Landgerichtes Stade auch am zweiten Verhandlungstag des Rocker-Prozesses, bei dem sich sechs Mitglieder des Biker-Clubs "Mongols MC", "Emre Ö.*, Marco Daniel A. d. M.*, Eren K.*, Schaukhmoos H.*, Renaldo S.* und Serhat K.* (26 bis 30 Jahre) wegen versuchten Totschlags verantworten müssen. Nach dem Prozessauftakt am Freitag sollte es am Dienstagmorgen mit der Vernehmung der ersten Zeugen weitergehen, doch eine Besetzungsrüge bremste die Verhandlung.

Die Rechtsanwälte zweier Angeklagter kritisierten das Ausscheiden einer Hilfsschöffin, die den vorübergehenden Rücktritt von ihrem Ehrenamt mit "Angst um ihr Leben" begründet hatte. Als Auslöser ihrer Furcht nannte die ausgeschiedene Schöffin die vorangegangene Medien-Berichterstattung über den "Rocker-Prozess". Die Kammer setzte eine neue Hilfsrichterin ein. Aus Sicht der beiden Anwälte war das ein Fehler. Sie erhoben den Einwand, die Ehrenamtliche habe lediglich "diffuse Ängste" zur Begründung ihrer Selbstablehnung genannt. Dies habe den Anschein der Willkürlichkeit. Sollte das Gericht dazu endgültig sein Einverständnis erteilen, hätte künftig jeder Schöffe die Wahl, an welcher Urteilsfindung er sich beteiligen wolle.

Die Kammer und die übrigen Anwälte zogen sich zur Beratung zurück.
Ob die sechs Zeugen, darunter Veranstalter und einige Gäste der Biker-Party, noch angehört wurden, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Laut Anklage hat das "Mongols"-Sextett im September die Biker-Party "Sound of Freedom" der gegnerischen Motorradgruppe "Gremium MC" in Freiburg gestürmt. Bei dem Überfall sollen sie Baseballschläger, Messer, mit Nägeln bestückte Dachlatten und ein Zimmermannsbeil verwendet und bei der Attacke vier Männer, darunter drei aus der "Gremium"-Spitze, zum Teil lebensgefährlich verletzt haben. Inzwischen sieht die Kammer - anders als die Staatsanwaltschaft - den Tatbestand des Mordversuchs nicht mehr erfüllt. Laut Gerichtssprecherin Petra Baars sei es schwer, den Angeklagten Mordmerkmale wie z. B. niedrige Beweggründe nachzuweisen. Es steht deshalb "nur" noch versuchter Totschlag mit gefährlicher Körperverletzung im Raum. Nur der Hauptangeklagte, Schaukhmoos H., sitzt in Untersuchungshaft in Bremervörde. Die mutmaßlichen Mittäter sind auf freiem Fuß. Alle sechs schweigen.

Da die Ermittler zumindest einige Mitglieder von "Gremium" und "Mongols" der organisierten Kriminalität zurechnen, gelten an den angesetzten 34 Verhandlungstagen des Mammut-Prozesses hohe Sicherheitsvorschriften. Und es gilt Kutten-Verbot. Bei den beiden ersten Prozessterminen waren als Zuschauer Freunde und Bekannte von Opfern und Tätern unter den Zuschauern.

• Die Verhandlung geht am Montag, 1. September, 9.15 Uhr, weiter.

*Namen v. d. Red. gekürzt

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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