Keine Zeit zu verzagen
Anpacken anstatt zu jammern: Neujahrsgrüße des Stader Landrates Kai Seefried
- hochgeladen von Jörg Dammann
Liebe Leserinnen und Leser des WOCHENBLATT,
ich wünsche Ihnen alles Gute für das Jahr 2026!
Viele Menschen starten mit Vorsätzen und Wünschen in ein neues Jahr. Neben ganz persönlichen Zielen steht in dieser Zeit wohl über allem der Wunsch nach Frieden. Wir hier im Landkreis Stade können den großen Wunsch nach Frieden für die Ukraine, die jetzt den vierten Kriegswinter erlebt, nicht erfüllen. Wir können aber immer wieder einen Beitrag für den Frieden leisten. Ich bin so dankbar, dass die Hilfsbereitschaft für die Menschen in der Ukraine ungebrochen groß ist.
Besonders berührt und nachhaltig beeindruckt hat mich ein Ferienprogramm für Mädchen und Jungen aus der Frontregion Mykolajiw, das wir im Herbst ausgerichtet haben. Ein paar Tage einfach nur Kind sein, spielen, toben, lachen – und in Ruhe schlafen. Ohne Angst vor Drohnen, Raketen und Bomben. Mit fließend Wasser und Strom rund um die Uhr. Ich werde die Gesichter der Kinder, ihre glücklichen Momente hier bei uns, aber auch die Nachdenklichkeit, die Sorgen und die Trauer in ihren Blicken nicht vergessen.
Wir dürfen einen Krieg in Europa niemals akzeptieren. Wie formulierte es einst Bundeskanzler Willy Brandt so treffend: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“
Wir haben keine Zeit zu verzagen oder die Hoffnung zu verlieren. Im Gegenteil: Wenn wir alle anpacken, können wir auch aus schweren Zeiten gestärkt hervorgehen. Wenn wir in diesem Geiste vorangehen, wird 2026 ein gutes Jahr.
Neue Wege gehen
Ich freue mich, dass wir als Landkreis dazu beitragen und in vielen Bereichen nicht jammern oder verharren, sondern neue Wege gehen, die landes- und teilweise bundesweit einzigartig sind.
Ich denke hier an die Kooperation unserer Elbe Kliniken mit einer lettischen Universität, um hier bei uns vor Ort die Mediziner der Zukunft auszubilden. Oder an die Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium zur Sicherung der Unterrichtsversorgung in unserer Region. Oder an das einzigartige Bündnis mit Landesregierung, Unternehmen, Betriebsräten und Gewerkschaften, Kammern, Verbänden, Behörden und Politik zur Weiterentwicklung des Chemie- und Industriestandortes Stade. Oder an unseren Weg zum ersten kinderfreundlichen Landkreis in Deutschland. Es geht hier um einen entscheidenden Perspektivwechsel – darum, die Welt auch mal durch Kinderaugen zu betrachten und die Rechte von Kindern in unseren Entscheidungen mitzudenken.
Vertrauen der Bürger stärken
Im Straßenbau holen wir endlich auf. 2025 haben wir fünfmal so viel investiert wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Kurz vor dem Jahreswechsel haben wir Sie, die Bürger unseres Landkreises, gefragt, wie Sie unsere Arbeit sehen und welche Verbesserungen Sie sich im Service wünschen. Ich kenne keinen anderen Landkreis, der eine solche Umfrage gestartet hat.
Sie erwarten von uns zu Recht ein maximales Engagement. Für viele Menschen sind wir als Kreisverwaltung die erste staatliche Instanz vor Ort, mit der sie in Berührung kommen. Wir verkörpern diesen Staat. Wir stehen damit für unsere Demokratie. Wie wir den Bürgern begegnen, entscheidet ganz maßgeblich darüber, ob sie unserem Staat und unserer Demokratie vertrauen.
Als bürgernaher und serviceorientierter Dienstleister ist es unsere Aufgabe, diesen Erwartungen gerecht zu werden und den Menschen im Landkreis Stade, gerade in diesen herausfordernden Zeiten, Halt und Orientierung zu bieten.
Doch ein Staat besteht nicht nur aus Behörden und politischen Gremien. Wir alle können unser Zusammenleben aktiv mitgestalten: Lassen Sie uns also nur darauf warten, dass der Staat oder andere etwas für uns tun, sondern machen Sie mit – und gehen Sie mit Mut und Vertrauen in die Zukunft.
Mut zur Veränderung
Immer wieder frage ich mich derzeit: Ist der Erfolg unserer Demokratie gleichzeitig ihre größte Gefahr? Weil wir den Frieden, die Sicherheit, die Rechtsstaatlichkeit nicht mehr zu schätzen wissen? Das Vertrauen in demokratische Institutionen schwindet, Influencer stehen in der Gunst der Menschen bisweilen höher als gewählte Mandatsträger. Jeder vierte Deutsche glaubt, dass das Land von „geheimen Mächten“ gelenkt werde.
Populismus, Hass und Hetze dürfen nicht unseren Alltag bestimmen. Wir müssen uns immer wieder erneuern, verbessern, uns selbst hinterfragen. Das erfordert Mut und Kraft zur Veränderung. Mut, Veränderungen nicht nur anzunehmen, sondern selbst zu gestalten und ein Teil davon zu sein. Das neue Jahr steht für mich daher unter dem Motto „Morgen wünscht du dir, du hättest heute den ersten Schritt getan“.
Lassen Sie uns gemeinsam vorangehen, dann wird 2026 ein gutes Jahr. Ich zähle auf Sie!
Ihr
Kai Seefried
- Landrat des Landkreises Stade -
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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