Nach Bluttat in Mutter-Kind-Einrichtung
Stade trauert um sechs Tote: Bewegende Gedenkandacht in der St.-Wilhadi-Kirche
- In der Kirche St. Wilhadi fand am Dienstag eine bewegende Andacht statt
- Foto: Landkreis Stade
- hochgeladen von Jörg Dammann
Von Trauer, Fassungslosigkeit und stillem Zusammenhalt geprägt war die Gedenkandacht am Dienstagabend in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade. Nach der Bluttat in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung, bei der am Montag sechs Menschen erschossen wurden, kamen Hunderte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um der Opfer zu gedenken und den Angehörigen ihre Anteilnahme auszudrücken. Viele Besucher fanden in der voll besetzten Kirche nur noch Stehplätze.
Die Andacht sollte einen Raum schaffen für das, was viele seit der Tat bewegt: Trauer, Entsetzen und die Frage, wie ein Mensch zu einer derart grausamen Gewalttat fähig sein kann. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens hatte bereits zuvor von einer „kaltblütigen Gewalttat“ gesprochen, die ganz Niedersachsen erschüttert habe.
Tränen als Ausdruck des Mitgefühls
Regionalbischöfin Sabine Preuschoff erinnerte daran, dass ausgerechnet ein Ort der Hilfe und Geborgenheit zum Schauplatz unfassbarer Gewalt geworden sei. „Ein Haus, das Schutz und Hilfe bieten sollte, wurde zum Ort von Gewalt und Tod gemacht“, sagte sie. Worte, die vielen der Anwesenden aus dem Herzen sprachen. Auch Landesbischof Ralf Meister fand bewegende Worte. Tränen seien in diesen Tagen Ausdruck des Mitgefühls und des Nicht-Einverstanden-Seins mit dem Geschehen. „Es ist gut, dass wir zusammen sind“, sagte er.
Zu den Gästen der Andacht gehörte auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Er erinnerte daran, dass die sechs Getöteten lediglich ihrer täglichen Arbeit nachgingen. Sie hätten Menschen geholfen, Familien begleitet und Verantwortung übernommen. Dass sie dabei ihr Leben verloren, mache die Tat besonders erschütternd. Es werde lange dauern, bis diese Wunde langsam heilen könne.
Landrat: Menschlichkeit stärker als Gewalt
Besonders eindringlich sprach Landrat Kai Seefried über die Opfer. Viele von ihnen hätten ihr Berufsleben in den Dienst anderer gestellt. „Helfen war ihre Haltung“, sagte Seefried. Die Getöteten hätten jungen Müttern zur Seite gestanden, Hoffnung gegeben und Verantwortung übernommen. Dem stellte er die Botschaft entgegen, dass Menschlichkeit stärker sein müsse als Gewalt: Wo Menschen einander beistehen, helfen und lieben, habe die Dunkelheit nicht das letzte Wort. Auch Stades stellvertretende Bürgermeisterin Melanie Reinicke sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Die Stadt trauere gemeinsam mit den Familien der Opfer. Den Schmerz könne niemand nehmen, sagte sie. Aber Stade stehe in diesen schweren Stunden an ihrer Seite.
Zum Abschluss der Andacht entzündeten zahlreiche Besucher Kerzen. Das stille Lichtermeer wurde zu einem sichtbaren Zeichen der Anteilnahme – für die Angehörigen der sechs Getöteten, für deren Kolleginnen und Kollegen, für die Einsatzkräfte und Notfallseelsorger sowie für alle Menschen, die diese beispiellose Gewalttat tief erschüttert hat.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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