Straße wird deutlich später fertig
Telekom-Kabel bremst Stader Altstadtbaustelle aus
- Fachbereichsleiter Jens Bossen in der Stader Bungenstraße. Hinter ihm laufen die Aarbeiten am zweiten Bauabschnitt
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Schlechte Nachrichten für die Bewohner der Bungenstraße in Stade: Die Sanierung der Altstadtgasse wird mindestens ein halbes Jahr länger dauern als geplant. Ursprünglich waren rund zwei Jahre angesetzt. Im März haben die Bauarbeiten begonnen. Das bedeutet: Mit einer Fertigstellung dürfte erst in der zweiten Jahreshälfte 2028 zu rechnen sein. Grund für die Verzögerung ist ein Glasfaserkabel der Telekom. Obwohl das Kabel erst in den Jahren 2013/14 verlegt wurde, hatte es niemand so richtig auf dem Zettel. „Für alle Beteiligten, insbesondere für die Anliegerinnen und Anlieger im Quartier, ist diese Nachricht natürlich bitter“, sagt Bossen, Fachbereichsleiter Städtebau und Umwelt bei der Hansestadt Stade
Leitungspläne wiesen kein Problem auf
Das eigentliche Problem ist laut Stadtplaner Bossen die Lage des Telekom-Kabels. Das befindet sich nur 40 Zentimeter tief im Erdreich. Es müsste aber doppelt so tief im Boden liegen. Als die Bauarbeiter dann begannen, die Rohre und Kabel unter der Straße freizuschaufeln, stießen sie in der falschen Tiefe auf das Glasfaserkabel. Die Überraschung war groß und umso unangenehmer, da im Vorfeld sämtliche Unternehmen in die Planungen einbezogen wurden, von denen bekannt war, dass sie Versorgungsleitungen in der Bungenstraße liegen haben. Auf Grundlage der vorhandenen Leitungspläne ging man davon aus, dass bei den Telekommunikationsleitungen keine größeren Arbeiten erforderlich sein würden.
Moorboden macht dicke Straßenschichten erforderlich
Dass das Kabel in mindestens 80 Zentimeter Tiefe platziert werden muss, hängt mit den besonderen Bodenverhältnissen in der Altstadt zusammen. Unter der Bungenstraße befindet sich Moorboden. Um spätere Absackungen zu verhindern, ist laut Bodengutachten ein mächtigerer Straßenaufbau als sonst üblich vorgesehen. Dieser besteht aus drei wesentlichen Schichten: Ganz unten liegt die Frostschutzschicht, darüber die vornehmlich aus Schotter bestehende Tragschicht und zuoberst wird die Deckschicht mit der Fahrbahn aufgetragen. Entsprechend mussten auch die neuen Versorgungsleitungen tiefer in den Boden verlegt werden. Die Wasserleitung liegt künftig in rund 1,20 Metern Tiefe. Darüber verläuft die Gasleitung und dann folgen Strom- und Glasfaserkabel.
- Im zweiten Bauabschnitt werden jetzt die bestehenden Versorgungsleitungen freigelegt
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Stadt erteilt Anordnung an die Telekom
Zunächst teilte die Telekom mit, dass eine Verlegung der vorhandenen Glasfaserkabel einen unverhältnismäßig hohen Zeit- und Kostenaufwand darstelle und mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen werde. Nach mehreren Gesprächen – auch direkt auf der Baustelle – erfolgte Mitte Mai eine Anordnung der Stadt an die Telekom, die Kabel auf eigene Kosten zu verlegen. Die Telekom hält zwar weiterhin an ihrer Einschätzung fest, dass die Arbeiten mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen werden. Dennoch haben sich die Fronten inzwischen entspannt. Nach Angaben von Bossen besteht mittlerweile Einigkeit darüber, das Neuverlegen der Glasfaserkabel möglichst eng mit den übrigen Bauabläufen zu verzahnen.
- In der Mitte verläuft ein provisorischer Weg, von dem Zugänge zu den Haustüren abgehen
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Fahrbahn provisorisch asphaltiert
Um trotz der Verzögerung möglichst wenig Zeit zu verlieren, wurde der Bauablauf inzwischen angepasst. Im ersten Bauabschnitt zwischen Fischmarkt und Rosenstraße sind jetzt sämtliche Versorgungsleitungen mit Ausnahme des Telekom-Kabels verlegt. Die Straße ist provisorisch wieder verfüllt und die Fahrbahn asphaltiert. Lediglich die Bereiche entlang der Häuser blieben als Schotterstreifen erhalten. Dort sollen später die Hausanschlüsse für Telefon und Internet hergestellt werden. Auf einer Straßenseite wird in diesem Zuge auch das neue Glasfaserkabel der Telekom verlegt.
- Die erste Bauabschnitt wurde zunächst provisorisch asphaltiert
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Jetzt wird der zweite Bauabschnitt vorgezogen
Inzwischen ist die Baustelle bereits in den zweiten Bauabschnitt zwischen Rosenstraße und Altstadtring gewandert. Innerhalb weniger Tage wurde die Bungenstraße auf einer Länge von mehr als 200 Metern aufgerissen. In der Mitte verläuft ein schmaler Weg, über den Bauarbeiter und Anwohner die Grundstücke erreichen können. Von dort führen kleine Stichwege zu den Hauseingängen. Links und rechts davon wurde das Erdreich fast einen Meter tief ausgehoben. Freigelegte Rohre, Kabel und Leitungen geben derzeit einen seltenen Einblick in die technische Infrastruktur unter der Altstadt. Gelbe Kennzeichnungen an den Leitungen zeigen den Bauarbeitern, welcher Versorgungsträger an welcher Stelle verläuft.
Bossen geht derzeit davon aus, dass die Leitungsarbeiten im zweiten Abschnitt über die Sommermonate abgeschlossen werden. Anschließend soll im September die Ausschreibung für den eigentlichen Kanal- und Straßenbau erfolgen. Wenn alles nach Plan läuft und das Wetter mitspielt, sollen die eigentlichen Bauarbeiten im Frühjahr 2027 beginnen.
- Für die weiteren Bauarbeiten wurde der Verlauf der verschiedenen Versorgungsleitungen farbig markiert
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Vorbild für weitere Straßensanierungen
Die Bungenstraße ist weit mehr als eine gewöhnliche Straßensanierung. Die teilweise noch aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden Schmutz- und Regenwasserkanäle werden erneuert. Anschließend entsteht eine moderne Mischverkehrsfläche mit barriereärmeren Gehwegen, neuer Entwässerung und einer späteren Anliegerzone. Die Neugestaltung der Bungenstraße soll als Vorbild für weitere Sanierungen in der Altstadt dienen. Straßen wie die Bäckerstraße, die Kehdinger Torstraße oder die Schiefe Straße könnten nach einem ähnlichen Konzepot umgestaltet werden.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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