Erholung versus Haftung
Warum die Pause im Wald zum Risiko werden kann
- Wer sich auf einer Bank im Wald niederlässt, kann auf die Sicherheit des Sitzplatzes vertrauen
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Ein Spaziergang im Wald, eine kurze Pause auf der Bank, der Blick ins Grüne – für viele gehört das zur Erholung einfach dazu. Doch genau diese Sitzgelegenheiten könnten künftig seltener werden. Der Grund sind steigende Haftungsrisiken für Waldbesitzer. Das WOCHENBLATT berichtete bereits vor einem Jahr: In der Gemeinde Seevetal im Landkreis Harburg wurden damals massiv Sitzbänke aus Haftungsgründen entfernt.
Denn: Wer eine Bank im Wald aufstellt, übernimmt Verantwortung. Anders als bei „waldtypischen Gefahren“, für die Besucher selbst einstehen, müssen Sitzgelegenheiten sicher sein – und zwar umfassend. „Bei Bänken im Wald dürfen die Nutzerinnen und Nutzer von einer sicheren Benutzbarkeit ausgehen“, erklären die Niedersächsischen Landesforsten. Das betrifft nicht nur die Bank selbst, sondern auch ihr Umfeld. In einem Umkreis von etwa einer Baumlänge muss sichergestellt werden, dass keine Gefahr etwa durch herabfallende Äste besteht.
Klimawandel erhöht das Risiko
Dieser Anspruch ist in der Praxis kaum flächendeckend umzusetzen. Regelmäßige Kontrollen der Bänke und der umliegenden Bäume sind aufwendig, ebenso mögliche Maßnahmen wie das Entfernen von Totholz aus Baumkronen. Hinzu kommt: Die Risiken haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Insbesondere die trockenen Sommer haben dazu geführt, dass sich mehr abgestorbenes Holz in den Bäumen befindet – eine Gefahr, die von außen oft nicht erkennbar ist.
Ein pauschaler Rückbau findet derzeit zwar nicht statt. Intakte Bänke bleiben in der Regel stehen. Doch wenn sie beschädigt sind oder ersetzt werden müssten, wird genau hingeschaut: Ist der Standort dauerhaft sicher? Lässt sich der Aufwand für Kontrollen und Pflege überhaupt leisten? Nicht immer fällt die Antwort positiv aus. Der Trend ist dabei klar: Die rechtlichen Anforderungen an die Verkehrssicherung spielen eine immer größere Rolle.
Regierungschefs versprechen Gesetzesänderung
In der Diskussin ist deshalb auch die Politik gefragt: Wanderverbände plädieren für klarere gesetzliche Regelungen, die Waldbesitzern mehr Rechtssicherheit geben könnten. Denn eines wird deutlich: Die Frage, ob eine Bank im Wald stehen bleibt, ist auch eine rechtliche. Die Antwort könnte noch dieses Jahr erfolgen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die Regierungschefs der Länder haben eine Änderung des Bundeswaldgesetzes bis zum Ende dieses Jahres angekündigt. Dann soll für das Verweilen auf Bänken und vor Infotafeln das gleiche Risiko gelten wie beim Spazierengehen.
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