Trinkwasser wird knapp
Warum Wassersparen auch im Norden sinnvoll ist
- Trinkwasser sollte nicht verschwendet werden, z.B. mit Rasenbewässerung oder in großen Gartenpools
- Foto: KI-generiert
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Kaum steigen im Sommer die Temperaturen, appellieren die Trinkwasserversorger an die Bevölkerung: Bitte sparsam mit Wasser umgehen. Mancher fragt sich dann: Warum eigentlich? Schließlich gilt Nord-Niedersachsen als wasserreiche Region mit reichlich Grundwasser.
Die Antwort überrascht: Das Problem ist meist nicht das Wasser im Boden – sondern die Geschwindigkeit, mit der daraus Trinkwasser hergestellt und in die Haushalte geliefert werden kann. Denn Trinkwasser entsteht nicht auf Knopfdruck. Es ist ein hochwertiges Lebensmittel, das in den Wasserwerken aufbereitet werden muss. Erst danach gelangt es in große Speicher und schließlich über das Leitungsnetz zu den Verbrauchern.
„Wird viel Wasser verbraucht, stoßen die Anlagen und Speicher an ihre Kapazitäten“, erklärt Ralf Burghartz, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Stader Land. Die Speicher seien auf etwa den halben durchschnittlichen Tagesbedarf ausgelegt. Nachts, wenn weniger Wasser benötigt wird, füllen sie sich wieder. Steigt der Verbrauch tagsüber jedoch stark an, gelingt das nicht mehr vollständig.
Die eigentliche Herausforderung sind die Verbrauchsspitzen
Besonders deutlich wird das an heißen Sommertagen. Dann duschen viele Menschen häufiger, gleichzeitig werden Beete gegossen, Rasen gesprengt oder Pools befüllt. „Im Sommer bei Hitze und an Tagen ohne Regen entstehen die größten Verbrauchsspitzen“, sagt Burghartz. Ende Juni stieg der tägliche Wasserverbrauch im Versorgungsgebiet innerhalb kurzer Zeit von durchschnittlich rund 20.000 auf 34.000 Kubikmeter. Um die Versorgung dauerhaft sicherzustellen, musste der Verband zeitweise sogar ein Bewässerungsverbot verhängen.
Auch beim Wasserbeschaffungsverband Harburg zeigen sich ähnliche Entwicklungen. Dort lag der höchste jemals gemessene Tagesverbrauch bei 58.600 Kubikmetern – doppelt so viel wie an einem durchschnittlichen Tag.
Gartenbewässerung belastet die Versorgung besonders
Ein klarer Spitzenreiter beim zusätzlichen Wasserverbrauch ist nach Einschätzung beider Versorger die Gartenbewässerung. Dabei unterschätzen viele den tatsächlichen Verbrauch eines Rasensprengers. Je nach Modell fließen zwischen 500 und 1.200 Liter Trinkwasser pro Stunde. Zur Veranschaulichung: Rund 1.000 Liter entsprechen etwa sechs bis acht gefüllten Badewannen.
Auch Gartenpools schlagen deutlich zu Buche. Ein durchschnittlicher Pool fasst etwa 7.000 Liter Wasser. Damit könnte eine Person – bei einem durchschnittlichen täglichen Wasserverbrauch von rund 140 Litern – ungefähr 50 Tage auskommen.
Genau deshalb werben die Wasserversorger nicht für Verzicht, sondern für einen bewussten Umgang mit einer Ressource, die selbstverständlich wirkt – deren Bereitstellung aber jeden Tag aufs Neue viel Technik, Zeit und Sorgfalt erfordert.
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Aus Grundwasser wird Trinkwasser – Schritt für Schritt
Das Grundwasser wird über Tiefbrunnen aus eiszeitlichen Bodenschichten gefördert. Anschließend entfernen die Wasserwerke Eisen und Mangan mithilfe von Sauerstoff und speziellen Kies- beziehungsweise Sandfiltern. Je nach Wasserbeschaffenheit wird außerdem natürliche Kohlensäure entzogen. Erst danach erfüllt das Wasser alle Anforderungen an hochwertiges Trinkwasser.
„Die Aufbereitung benötigt Zeit und ist von der Größe der Filteranlagen abhängig“, erklärt Michael Schneemann, Leiter Grundlagenplanung beim Wasserbeschaffungsverband Harburg.
Viele kleine Maßnahmen ergeben eine große Wirkung
Niemand muss im Sommer auf den blühenden Garten verzichten. Oft helfen bereits kleine Veränderungen. Die Wasserversorger empfehlen:
- Regenwasser zum Gießen sammeln
- Beete möglichst gezielt per Tröpfchenbewässerung statt mit Rasensprengern versorgen
- den Wasserhahn beim Zähneputzen oder Einseifen der Hände zuzudrehen
- Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler nur voll beladen einzuschalten
Gut zu wissen
- Ein Geschirrspüler spart im Vergleich zur Handabwäsche Wasser. Im Eco-Programm benötigt das Gerät lediglich etwa acht bis 15 Liter pro Spülgang. Möglich wird das durch einen geschlossenen Wasserkreislauf, bei dem das Wasser mehrfach gefiltert und wiederverwendet wird. Wer dieselbe Menge Geschirr im Spülbecken reinigt, verbraucht oft rund 30 Liter, unter fließendem Wasser sogar 60 Liter oder mehr.
- Je nach Duschkopf fließen beim Duschen in fünf Minuten zwischen 30 und 100 Liter Wasser. Wer während des Einseifens den Wasserhahn für etwa zwei Minuten schließt, reduziert den Verbrauch um rund 40 Prozent.
Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel
Für Michael Schneemann gibt es noch einen weiteren Irrtum rund ums Trinkwasser. Viele Menschen seien verunsichert durch Berichte über Nitrat, Pflanzenschutzmittel oder Mikroplastik im Grundwasser. Das bedeute jedoch nicht automatisch, dass diese Stoffe im Trinkwasser vorkommen. „Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel“, betont Schneemann.
Warum rufen die Trinkwasserversorger im Landkreis Stade im Sommer zum Wassersparen auf?
Nicht das Grundwasser ist knapp, sondern die Kapazität der Wasserwerke und Speicher. An heißen Tagen steigt der Wasserverbrauch sprunghaft an. Das Trinkwasser muss zunächst aufbereitet, gespeichert und anschließend über das Leitungsnetz verteilt werden. Hohe Verbrauchsspitzen bringen diese Anlagen an ihre Leistungsgrenzen.
Warum kann nicht unbegrenzt Trinkwasser bereitgestellt werden?
Trinkwasser entsteht nicht unmittelbar aus dem Grundwasser. Es wird in den Wasserwerken aufwendig aufbereitet und anschließend in Hochbehältern gespeichert. Nach Angaben des Trinkwasserverbands Stader Land sind die Speicher auf etwa den halben durchschnittlichen Tagesbedarf ausgelegt. Bei extrem hohem Verbrauch können sie tagsüber nicht schnell genug nachgefüllt werden.
Was verursacht im Sommer den höchsten Trinkwasserverbrauch?
Den größten zusätzlichen Verbrauch verursachen Gartenbewässerung und das Befüllen privater Pools. Ein Rasensprenger verbraucht je nach Modell zwischen 500 und 1.200 Liter Trinkwasser pro Stunde. Ein durchschnittlicher Gartenpool fasst etwa 7.000 Liter Wasser. Ende Juni stieg der tägliche Wasserverbrauch im Versorgungsgebiet des Trinkwasserverbands Stader Land deshalb kurzfristig von rund 20.000 auf 34.000 Kubikmeter.
Wie wird aus Grundwasser hochwertiges Trinkwasser hergestellt?
Das Grundwasser wird über Tiefbrunnen gefördert und anschließend in den Wasserwerken aufbereitet. Eisen und Mangan werden mithilfe von Sauerstoff sowie Kies- und Sandfiltern entfernt. Je nach Wasserbeschaffenheit wird außerdem natürliche Kohlensäure entzogen. Erst danach erfüllt das Wasser die Anforderungen an Trinkwasser.
Wie lässt sich im Alltag einfach Trinkwasser sparen?
Die Wasserversorger empfehlen, Regenwasser zum Gießen zu nutzen, Beete gezielt per Tröpfchenbewässerung statt mit Rasensprengern zu versorgen, den Wasserhahn beim Zähneputzen oder Einseifen zu schließen sowie Waschmaschine und Geschirrspüler nur vollständig beladen einzuschalten. Schon kleine Maßnahmen können den Wasserverbrauch deutlich senken.
Ist das Trinkwasser trotz Berichten über Nitrat oder Mikroplastik sicher?
Ja. Nach Angaben von Michael Schneemann vom Wasserbeschaffungsverband Harburg bedeuten Belastungen im Grundwasser nicht automatisch, dass diese Stoffe im Trinkwasser vorkommen. Trinkwasser wird kontinuierlich kontrolliert und gilt als das am besten überwachte Lebensmittel.
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