Mehr Mut zur Gründung im Elbe-Weser-Raum
- Trotz angespannter wirtschaftlicher Lage machen sich im Elbe-Weser-Raum viele selbstständig
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Trotz angespannter Konjunktur sendet die Wirtschaft im Elbe-Weser-Raum ein positives Signal: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist 2025 deutlich zurückgegangen – gleichzeitig steigt die Zahl der Gewerbeanmeldungen. Besonders auffällig: Immer mehr Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit zunächst im Nebenerwerb.
Deutlich weniger Unternehmensinsolvenzen
146 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum beantragten im vergangenen Jahr die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das sind 39 weniger als 2024 – ein Rückgang um rund 21 Prozent.
"Trotz der angespannten konjunkturellen Lage in vielen Bereichen gibt es auch positive Wirtschaftsnachrichten aus dem Elbe-Weser-Raum", sagt Henrik Gerken, Volkswirt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Elbe-Weser. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) widersetzt sich die Region damit dem landesweiten Trend.
Neben den Unternehmensinsolvenzen stellten 217 ehemals selbstständig Tätige einen Insolvenzantrag – ein minimaler Anstieg von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mehr An- und Abmeldungen: Viel Bewegung im Markt
Dass Betriebe vom Markt verschwinden, hat nicht immer mit einer Insolvenz zu tun. "Neben wirtschaftlichen Problemen können auch organisatorische oder persönliche Gründe eine Rolle spielen – etwa im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge", erläutert Arne Reinecker, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Elbe-Weser.
Insgesamt wurden 2025 im Elbe-Weser-Raum 6.169 Gewerbe abgemeldet, darunter 5.142 vollständige Betriebsaufgaben. Das entspricht einem Anstieg von 5,7 Prozent im Vergleich zu 2024.
Gleichzeitig ist auch die Zahl der Gewerbeanmeldungen gewachsen – um 5,1 Prozent auf 7.309 Fälle. Den größten Anteil machen dabei 6.126 Neuerrichtungen aus, also Neugründungen und Umwandlungen bestehender Betriebe.
Reinecker wertet das als ermutigendes Zeichen: "Viele Menschen verlieren trotz wirtschaftlicher Herausforderungen nicht den Mut und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit." Gründerinnen und Gründer brächten Kreativität und Innovationskraft in die Region. Auch erfolgreiche Unternehmensnachfolgen sicherten bestehende Strukturen und sorgten für frische Impulse.
Handel von Insolvenzen besonders betroffen
Die meisten Unternehmensinsolvenzen entfielen 2025 auf den Handel – einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen – mit 29 Fällen. Es folgen das Baugewerbe mit 26 Fällen sowie das Gastgewerbe und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen mit jeweils zwölf Verfahren.
Die Region bleibt wirtschaftlich in Bewegung
Unterm Strich zeigt sich die Wirtschaft im Elbe-Weser-Raum robust und dynamisch. Weniger Insolvenzen, mehr Gründungen und eine hohe Bereitschaft zur unternehmerischen Initiative verdeutlichen: Die Region bleibt in Bewegung – und stellt sich den Herausforderungen mit Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft. Positive Signale aus der Region: 21 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen und steigende Gewerbeanmeldungen im Elbe-Weser-Raum.
Abgesichert in die Selbstständigkeit starten: Der Trend geht zum Nebenerwerb
Auffällig ist vor allem ein Trend: Immer mehr Menschen gründen im Nebenerwerb. Sechs von zehn Gründungen erfolgen inzwischen parallel zu einer festen Anstellung, zum Studium oder zur Schule. "Der Trend zur Gründung im Nebenerwerb hält weiterhin an", so IHK-Volkswirt Gerken. Viele wollten ihre Geschäftsidee zunächst in der Praxis testen, bevor sie vollständig auf Selbstständigkeit setzen. Das sei Ausdruck unternehmerischen Mutes – aber auch wirtschaftlicher Vorsicht in unsicheren Zeiten.
Ein Beispiel hierfür ist Sandra Polenz aus Buxtehude. Sie startete 2023 ihre Selbstständigkeit als zertifizierte Masseurin zunächst im Nebenerwerb und arbeitete weiterhin angestellt. Seit Herbst 2025 ist sie in Vollzeit ihre eigene Chefin. "Ich brauchte die finanzielle Sicherheit, dass ich es auch alleine schaffe", erinnert sich die zweifache alleinerziehende Mutter. "Mein Learning: Mut darf auch in kleinen Schritten wachsen."
Das Unternehmen florierte. "Spätestens mit meiner eigenen Webseite war der Andrang so groß, dass ich die Selbstständigkeit in Vollzeit gewagt habe", sagt Sandra Polenz, die inzwischen neben Massagen auch Yoga, Ernährungsberatung und Workshops zu gesundem Lifestyle anbietet. "Zu gründen ist eine anstrengende, aber auch sehr spannende und tolle Erfahrung. Eine gute Planung und Austausch mit anderen Selbstständigen haben mir viel geholfen."
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