Freie Fahrt? Aber bitte nicht für Autofahrer
Baustellen-Frust im Kreis Stade: Vergessene Schilder und vorzeitige Sperrungen

Die B73 ist in Höhe von Horneburg komplett gesperrt. Doch von Baufahrzeugen keine Spur | Foto: jd
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  • Die B73 ist in Höhe von Horneburg komplett gesperrt. Doch von Baufahrzeugen keine Spur
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Autofahren macht derzeit nur noch bedingt Freude. Der Blick auf die Tankstellenpreise sorgt zuverlässig für schlechte Laune. Baustellen und Umleitungen erledigen den Rest. Und manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass auch Behörden ihren kleinen Beitrag dazu leisten möchten, Autofahrern das Leben ein wenig schwerer zu machen. Im Landkreis Stade liefert die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr derzeit gleich drei hübsche Anschauungsbeispiele.

Das Schild darf kein Wochenende machen
Beginnen wir auf der B74 zwischen Stade und Bremervörde. Zwischen den Einmündungen aus Schwinge und Mulsum finden derzeit Baumpflegearbeiten statt. Morsche und zu tief hängende Zweige werden entfernt. Eine sinnvolle Sache. Niemand möchte schließlich während der Fahrt Bekanntschaft mit einem herabfallenden Ast machen. Für die Arbeiten wurde das Tempo auf 50 km/h reduziert. Ebenfalls sinnvoll – solange dort gearbeitet wird.

Doch dann kommt der Freitagmittag. Die Beschäftigten verabschieden sich ins wohlverdiente Wochenende. Maschinen weg, Mitarbeiter weg, Arbeiten eingestellt. Nur das mobile Tempo-50-Schild bleibt stehen. Dabei wäre die Sache  denkbar unkompliziert zu lösen: Schild umlegen. Montagmorgen wieder aufstellen – fertig. Aber warum dieser enorme Aufwand? Autofahrer haben schließlich Zeit, denken sich wohl die Baumpfleger.

Kein Durchkommen auf der B73: Der Ortseingang von Horneburg aus Richtung Stade | Foto: jd
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Die Baustelle ohne Baustelle
Weiter nach Horneburg. Dort ist die B73 zwischen dem Ortseingang aus Richtung Stade und der Issendorfer Straße wegen der anstehenden Fahrbahnsanierung voll gesperrt. Bereits in Dollern heißt es "Durchfahrt verboten. Anlieger frei". Ein Leser berichtet: Die Sperrung gilt bereits seit Freitag. Doch weit und breit war bisher kein Bauarbeiter zu sehen. Auch kein Bagger und kein Baufahrzeug. Die Straße ist einfach zu.

Man könnte natürlich auf die verrückte Idee kommen, eine Bundesstraße erst dann zu sperren, wenn die Arbeiten tatsächlich beginnen. Aber das wäre möglicherweise zu bürgernah gedacht.

Fertig ist fertig – doch wozu die Schilder abräumen?
Und dann wäre da noch die L124 zwischen Harsefeld und Hollenbeck. Drei Monate wurde ein Teilabschnitt saniert. Der angekündigte Fertigstellungstermin am 21. August wurde eingehalten. Dafür gebührt durchaus Anerkennung. Eine Straßenbaumaßnahme, die pünktlich fertig wird – das darf man ausdrücklich loben. Dumm nur: Die Umleitungsschilder sind stehen geblieben. Sowohl in Harsefeld als auch in Ahlerstedt verkünden große Tafeln weiterhin, dass die Strecke seit dem 18. Mai gesperrt sei.

Nach der Sanierung des L124-Streckenabschnitts besteht wieder freie Fahrt zwischen Harsefeld und Ahlerstedt. Doch die Umleitungsschilder in Harsefeld (li.) und in Ahlerstedt führten die Autofahrer nach der Freigabe der Strecke weiterhin in die Irre | Foto: jd
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Wer als ortsunkundiger Autofahrer Verkehrszeichen tatsächlich ernst nimmt – eine grundsätzlich nicht ganz abwegige Verhaltensweise im Straßenverkehr –, fährt brav die deutlich längere Umleitung über Ahrensmoor-Nord. Das kostet Zeit, das kostet Kilometer – und das kostet natürlich Sprit. Aber dafür bekommt der Autofahrer etwas geboten: eine kleine Rundreise durch den Südkreis.

KOMMENTAR: Drei Fälle, eine Frage

Nun sind das alles keine Staatsaffären. Niemand muss deswegen einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Und selbstverständlich gibt es derzeit größere Probleme als ein überflüssiges Tempo-50-Schild oder eine Umleitung, die ihren Sinn verloren hat.

Trotzdem darf man fragen: Warum eigentlich? Ist es Gedankenlosigkeit? Nachlässigkeit? Schlechte Abstimmung? Oder schlicht die Haltung: Wird schon keinen groß stören?

Doch genau diese Haltung wäre problematisch. Denn Bürgerservice zeigt sich nicht nur in großen Sonntagsreden über moderne Verwaltung. Er zeigt sich auch am Freitagmittag auf der B74, an einer Sperrbake in Horneburg oder an einem überflüssigen Umleitungsschild in Harsefeld.

Mit Autofahrern kann man es ja machen
Autofahrer zahlen Steuern, tanken zu stattlichen Preisen und nehmen notwendige Baustellen selbstverständlich in Kauf. Straßen müssen saniert, Bäume gepflegt und Beschäftigte geschützt werden. Darüber muss niemand ernsthaft diskutieren.

Aber unnötige Einschränkungen sind etwas anderes. Ein Schild wegzuräumen, wenn es nicht mehr gebraucht wird, ist keine revolutionäre Forderung. Eine Straße möglichst erst dann komplett zu sperren, wenn dort tatsächlich gearbeitet werden soll, ebenfalls nicht. Es sind Kleinigkeiten. Aber gerade an Kleinigkeiten entscheidet sich häufig, ob Bürger Verwaltung als Dienstleister oder als Ärgernis wahrnehmen.

Und so bleibt nach diesen drei Beispielen eine ziemlich einfache Frage: Sieht so Bürgerservice aus?

Jörg Dammann

Die B73 ist in Höhe von Horneburg komplett gesperrt. Doch von Baufahrzeugen keine Spur | Foto: jd
Kein Durchkommen auf der B73: Der Ortseingang von Horneburg aus Richtung Stade | Foto: jd
Nach der Sanierung des L124-Streckenabschnitts besteht wieder freie Fahrt zwischen Harsefeld und Ahlerstedt. Doch die Umleitungsschilder in Harsefeld (li.) und in Ahlerstedt führten die Autofahrer nach der Freigabe der Strecke weiterhin in die Irre | Foto: jd
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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