Bewegte Geschichte
130 Jahre Feuerwehr Stade-Campe
- Von der Freiwilligen Feuerwehr Zug II (v. li.): Andre Holst, Stephan Woitera, Stefan Tietje und Klaus Mehrtens
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Das 125-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Stade Campe, offiziell "Zug 2", fiel 2021 mitten in die Pandemie. "Eine große Feier fiel deshalb aus", bedauern Zugführer Stefan Tietje, sein Stellvertreter Andre Holst und Ortsbrandmeister Stephan Woitera. "Weil der 130. Geburtstag der Feuerwehr in diesem Jahr kein offizielles Jubiläum ist, wird es keine Festveranstaltung geben. Wir freuen uns jedoch, dass an uns gedacht wird und wir ein so tolles Team haben."
Die Anfänge der Freiwilligen Feuerwehr Campe waren – wie es am Namen zu erkennen ist – im Stader Stadtteil Campe. Ihr Domizil war an der Straße Hinterm Teich in Nachbarschaft zum ehemaligen Mineralölwerk. Offizieller Gründungstermin war der 28. Mai 1896.
- Der Zug II der Stader Feuerwehr verfügt über folgende Fahrzeuge (v. li.): Einsatzleitwagen, Drehleiterfahrzeug, #+Tanklöschfahrzeug, Löschgruppenfahrzeug, Wechsellader und Mannschaftstransportfahrzeug
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1960 erfolgte aus Platzgründen der Umzug in ein neues Feuerwehrgerätehaus an der Feuerwehrstraße. "Auch wenn das heute kaum zu glauben ist: Damals stand unser Gebäude im Stadtteil Campe auf einer grünen Wiese", erzählt Klaus Mehrtens, der 1970 der Feuerwehr beitrat und heute Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung ist. "Die Wohnbebauung in der Nachbarschaft erfolgte erst in den folgenden Jahren." Dieses Phänomen wiederholte sich rund 50 Jahre später, als die Feuerwehr von Campe in den jungen Stadtteil Riensförde zog. "Auch dort stand unser neues Domizil zunächst auf einer grünen Wiese", erzählt Stephan Woitera. "Die Neubaugebiete, der große Verbrauchermarkt und der Campus kamen erst später hinzu."
Obwohl die Freiwillige Feuerwehr mit ihrem Umzug 2016 den Stadtteil Campe offiziell verlassen hat, bleibt der Name "Freiwillige Feuerwehr Campe" bestehen und ziert bis heute das Wappen der Ehrenamtlichen auf den Fahrzeugen. "Wir sind unserer alten Heimat nach wie vor verbunden", sagt Stefan Tietje. Das zeigt sich u.a. darin, dass die Feuerwehrleute die Tradition des "Eierschnorrens" nach wie vor in Campe aufrechterhalten. Bei diesem Brauch gehen die Ehrenamtlichen von Tür zu Tür und bitten um Eier sowie andere Lebensmittel wie Wurst und Getränke, die dann von der Gruppe gemeinsam im Feuerwehrhaus zubereitet und verzehrt werden. "Bei dieser Gelegenheit sehen wir viele vertraute Gesichter wieder und pflegen alte Kontakte", freut sich Andre Holst.
- Nachbarschaftspflege: Das Osterfeuer in Riensförde ist ein beliebter Treffpunkt für viele Staderinnen und Stader
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Doch auch im neuen Stadtteil Riensförde ist die Freiwillige Feuerwehr nach zehn Jahren etabliert. "Unser jährliches Osterfeuer beim Feuerwehrhaus sowie das Laternenfest werden sehr gut besucht", freut sich Stephan Woitera. "Eine gute Nachbarschaft und die Akzeptanz der Bevölkerungs sind uns sehr wichtig."
Sehr zeitintensives Ehrenamt
Zur Freiwilligen Feuerwehr Stade-Campe, Zug II, gehören 72 aktive Feuerwehrleute, davon zehn Frauen. Die Alters- und Ehrenabteilung umfasst fünf Mitglieder. Gemeinsam mit Zug I gibt es zudem eine Stader Jugendfeuerwehr für Zehn- bis 16-Jährige sowie eine Kinderfeuerwehr für Sechs- bis Zehnjährige. "Wir freuen uns immer, wenn wir Nachwuchs aus unseren eigenen Reihen haben", sagt Zugführer Stefan Tietje. "Trotz unseres sehr zeitintensiven Ehrenamts haben wir in Stade zum Glück keine Personalprobleme."
Das Ehrenamt verlange den Feuerwehrleuten viel ab, sagt der erfahrene Stader Feuerwehrmann Klaus Mehrtens. "Ob Tag oder Nacht, Mittagessen oder Geburtstagsfeier – wenn der Alarm geht, lassen wir alles stehen und liegen." Das verlange den Familien und auch den Arbeitgebern und Kollegen viel ab. "Wir versuchen deshalb, die Angehörigen so viel wie möglich mit einzubeziehen", sagt Ortsbrandmeister Stephan Woitera. "Trotzdem braucht es für unser ,Hobby' viel Verständnis."
Das gelte auch für die Nachbarn in den Riensförder Wohngebieten. Denn die Rettungs- und Löschfahrzeuge können zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs sein. Neben den Einsätzen – im vergangenen Jahr waren es 260 – gibt es zusätzlich vor Ort Übungen, Besprechungen und mehr. "Kurz gesagt: Hier ist immer etwas los", sagt der stellvertretende Zugführer Andre Holst.
Gute Gemeinschaft im Team
Der Ortsbrandmeister und die beiden Zugführer loben die gute Gemeinschaft im Team. Auch mit den Kameraden vom Zug I in der Stader Altstadt sowie mit anderen Hilfsorganisationen wie THW, Rettungsdienst sowie mit der Polizei klappe die Zusammenarbeit hervorragend. "So macht unsere Arbeit auch Spaß", so Stephan Woitera. Für die Feuerwehr brauche es Überzeugung, eine gute Mannschaft trage da sehr zur Motivation bei.
Rund 60 Prozent aller Einsätze der Camper Feuerwehr sind technische Hilfeleistungen. Dazu gehören Verkehrsunfälle, Hilfe bei Hochwasser und Starkregen, Sturmschäden, aber auch Türöffnungen und Hilfeleistung für den Rettungsdienst. Häufige Beispiele sind Tragehilfen oder die Bergung einer Person durch ein Fenster, wobei auch die Drehleiter zum Einsatz kommen kann.
Immer häufiger rückt die Feuerwehr aus, wenn Brandmeldeanlagen auslösen. Diese sind in Wohnanlagen wie Seniorenheimen, aber auch in Kliniken und Industrieanlagen installiert. "Auch wenn es sich dabei häufig um einen Fehlalarm handelt, sind diese Anlagen ein wichtiges Sicherheitsinstrument, das Leben retten kann", betont Stephan Woitera. "Durch die moderne Technik sind wir schnell vor Ort und können dann Schlimmes verhindern", ergänzt Stefan Tietje.
Wehrmutstropfen des Engagements: Viele Bürgerinnen und Bürger machen sich nicht bewusst, dass der Einsatz der Feuerwehr ehrenamtlich ist. "Man sollte die 112 nicht unbedarft wählen", sagt Andre Holst. "Selbstverständlich helfen wir gern. Aber wir sind kein Service-Dienstleister." Liegt nach einem Sturm beispielsweise ein Ast auf der Straße, den ein bis zwei Personen problemlos beiseite ziehen können, muss dafür nicht die Feuerwehr gerufen werden. Läuft die Waschmaschine aus und im Bad steht das Wasser nur wenige Zentimeter hoch, kann jeder selbst zum Feudel greifen und das Malheur beseitigen. "Die Hansestadt Stade hat die Möglichkeit, derartige Einsätze nach Prüfung gemäß der Gebührensatzung kostenpflichtig abzurechnen", sagt Andre Holst. "Nicht jedes Unglück ist eine Notlage."
Feuerwehren laden am Donnerstag, 28. Mai, zur Traditionsübung nach Ottenbeck ein
Die Freiwillige Feuerwehr der Hansestadt Stade lädt am Donnerstag, 28. Mai, ab 19 Uhr zur traditionellen Alarmübung „Donnerstag nach Pfingsten“ auf das Gelände des Forschungszentrums CFK Nord am Ottenbecker Damm 12 in Stade ein.
- Szenen der großen Übung aus den Vorjahren: Die Feuerwehr #+legt eine Wasserwand, um den Brand "abzuriegeln"
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Seit 1934 erinnert die Feuerwehr mit dieser Traditionsübung an den großen Stadtbrand von 1659, bei dem rund zwei Drittel der Gebäude in der Stader Innenstadt zerstört wurden. Lediglich in den Jahren 2020 und 2021 musste die Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie pausieren.
Die Feuerwehren der Hansestadt Stade nutzen den besonderen Anlass, um ihre Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen und ihr Können zu demonstrieren. Im Einsatz zu sehen sein werden die Ortsfeuerwehren Stade (Zug I und II), Bützfleth, Hagen und Wiepenkathen. Aufgrund der örtlichen Nähe unterstützen in diesem Jahr zudem die Feuerwehr Agathenburg sowie die Werkfeuerwehr Airbus die Übung.
Gezeigt werden unter anderem Maßnahmen der Brandbekämpfung, Menschenrettung, Wasserförderung und Unfallrettung. Auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr begleiten die Übung.
- Das Spektakel zieht stets viele Zuschauerinnen und Zuschauer an
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