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Anwohner sind von Lärm und Qualm genervt
Ärger in Stade-Abbenfleth: Grillexzesse auf dem Spielplatz

Der Spielplatz in Abbenfleth: Ein Schild weist auf das bestehende Grillverbot hin (Fotomontage) | Foto: Andreas B. / jd
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  • Der Spielplatz in Abbenfleth: Ein Schild weist auf das bestehende Grillverbot hin (Fotomontage)
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Ein Spielplatz ausgestattet mit Wippe, Rutsche und Klettergerüst, gelegen in einem ruhigen Wohngebiet hinter dem Elbdeich – das klingt ziemlich idyllisch. Wären da nicht die Grillexzesse, die sich dort immer wieder abspielen: Der Spielplatz in Stade-Abbenfleth wird an den Wochenenden zum inoffiziellen Großgrillplatz. Und Anwohner wie Andreas B.* haben endgültig die Nase voll – im wahrsten Sinne des Wortes.

Grill-Open-Air am 1. Mai
Am Maifeiertag zählte Andreas B. mehr als 30 Fahrzeuge. Er berichtet: Zwischen 80 und 100 meist erwachsene Personen breiteten sich auf dem Gelände aus. Acht rauchende Holzkohlegrills verbreiteten jede Menge Qualm. „Die Rauschwaden zogen den ganzen Tag zu uns herüber, wir konnten keine Fenster öffnen“, schildert Andreas B. genervt. "Nach meiner Einschätzung handelt es sich überwiegend um türkischstämmige Großfamilien, die sich hier regelmäßig zum Grillen treffen", berichtet der erboste Anwohner.

Nur für Kinder bis zwölf Jahre
Der Spielplatz, der laut Hinweisschild nur von Kindern unter 13 Jahren bis 19 Uhr genutzt werden darf, wird von den Feiernden regelrecht in Beschlag genommen. Auch der Lärm sei unerträglich, so Andreas B. Die ganze Zeit dröhne ohrenbetäubende Musik - meist türkische Schlager -  aus den Ghettoblastern, den Lautstärkeregler bis zum Anschlag hochgedreht. Kinder sind laut B.s Beobachtung nur wenige zu sehen. "Es waren vielleicht acht Kinder darunter", schätzt er. „Die restlichen 90 Prozent waren Erwachsene oder ältere Jugendliche.“ Am Ende der Grillrunden werde die heiße Holzkohle einfach auf den Rasen geschüttet. „Da soll dann kurz darauf wieder ein Kind spielen?“, fragt Andreas B. fassungslos.

Die Asche von den Grills kippen die Partygriller einfach auf den Spielplatz | Foto: Andreas B.
  • Die Asche von den Grills kippen die Partygriller einfach auf den Spielplatz
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Als Rassist beschimpft
Andreas B. hat nach eigenem Bekunden wiederholt versucht, den Dialog zu suchen. Doch seine freundlichen Hinweise auf das Schild mit dem Grillverbot würden auf taube Ohren stoßen. Er sei auch schon verbal attackiert worden, obwohl er sein Gegenüber ruhig und sachlich angesprochen habe. "Da beschimpfte mich jemand, dass ich ein Rassist sei – nur weil ich das Grillverbot angesprochen habe." Solche Vorwürfe weist er entschieden zurück: „Es geht nicht um die Herkunft – es geht darum, dass hier Regeln gelten. Für alle.“

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Grillen nur in der Grillhütte
Vor Ort ist klar geregelt: Gegrillt werden darf nur in einer Grillhütte am Rande des Spielplatzes. Doch diese Hütte, für man sich anmelden muss, wird nach B.s Beobachtung bei den Grillexzessen nicht genutzt. Er mutmaßt: "Das liegt wohl daran, dass wir Abbenflether dort ab und zu mal grillen und dann auch Schweinefleisch auf dem Grillrost landet." Das Grillverbots-Schild ließ die Stadt laut B. im vergangenen Jahr nach Anwohner-Beschwerden aufstellen. Er kritisiert, dass das Schild viel zu kompliziert sei. Er schlägt vor, an den drei Zugängen zum Spielplatz Schilder mit einem rot durchgestrichenen Grill als Piktogramm aufzustellen - dazu als Text "Grillen verboten", auf Deutsch und auf Türkisch. 

Die Mülltonne steht gleich daneben. Doch der Abfall wird einfach auf den Rasen geworfen | Foto: Andreas B.
  • Die Mülltonne steht gleich daneben. Doch der Abfall wird einfach auf den Rasen geworfen
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Müll bleibt einfach liegen
Auch der Müll ist ein Dauerthema. Obwohl ein Mülleimer bereitsteht, wird der Platz regelmäßig zugemüllt zurückgelassen. Die Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe Stade (KBS) kämen jeden Dienstag, um die Hinterlassenschaften der Wildgriller aufzuräumen – von abgenagten Hühnerknochen bis hin zu leeren Verpackungen. Was Andreas B. besonders bitter findet: „Hier in Abbenfleth wohnen inzwischen einige junge Familien mit kleinen Kindern. Doch die können den Spielplatz gar nicht nutzen, wenn dort die Grillexzesse stattfinden.“

Dauerzustand im Sommer?
Andres B. hat sich laut eigener Aussage bereits an die Stadt und die Stader Parteien gewandt. Doch eine konkrete Antwort der Verwaltung sei bislang ausgeblieben, so B. Er fürchtet nun, dass auch in diesem Sommer wieder so manches Wochenende zur Nervenprobe wird. „Wenn das mal besonderen Anlässen wie etwa dem Zuckerfest passiert – kein Problem“, meint Andreas B. Da könne man gerne mal ein Auge zudrücken. Aber als Dauerzustand an den Sommerwochenenden? Das sei einfach zu viel. Zum Teil kämen die Partygriller aus halb Norddeutschland, wie die Autokennzeichen beweisen. 

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Polizei war vor Ort
Polizeisprecher Rainer Bohmbach bestätigte gegenüber dem WOCHENBLATT, dass am 1. Mai ein Streifenwagen zu dem Spielplatz gerufen wurde. Man habe "mehrere Familien angetroffen, die dort widerrechtlich grillten". Diese hätten das Grillen beendet, nachdem sie von den Beamten auf das Grillverbot hingewiesen worden seien. Bohmbach verweist darauf, dass für Beschwerden über unerlaubtes Grillen stets das städtische Ordnungsamt der erste Ansprechpartner sei.

Dort soll laut Auskunft von Stadt-Pressesprecher Stephan Voigt bisher erst eine Beschwerde in Sachen Spielplatz eingegangen sein. Auch Ortsbürgermeister Christoph von Schassen habe "bislang keine übermäßigen Beschwerden" erhalten. Die aktuelle Beschwerde zum Vorfall am 1. Mai werde der Ortsbürgermeister zum Anlass nehmen, die Situation auf dem Spielplatz Abbenfleth im zuständigen Bützflether Ortsrat zu thematisieren.

* Name von der Redaktion geändert

Kommentar:

Rücksichtnahme ist keine Option, sondern Pflicht

Ein Kinderspielplatz ist ein Ort für Kinder – und nicht für Erwachsene, die mit XXL-Grills und Ghettoblastern anrücken. Wer glaubt, sein Bedürfnis nach gegrilltem Fleisch rechtfertige die totale Ignoranz gegenüber Verboten, Nachbarn und Sicherheitsregeln, hat den Sinn von Gemeinschaft nicht verstanden.

Hier geht es nicht um Herkunft, sondern um Haltung. Und die lautet bei den Partygrillern offenbar: „Ich mache, was ich will.“ Regeln scheinen diesen Leuten egal zu sein. Und Rücksichtnahme ist für sie wohl ein Fremdwort. Wenn die Anwohner jetzt sagen, es reicht, dann ist dies nur allzu verständlich.

Der Spielplatz in Abbenfleth: Ein Schild weist auf das bestehende Grillverbot hin (Fotomontage) | Foto: Andreas B. / jd
Die Asche von den Grills kippen die Partygriller einfach auf den Spielplatz | Foto: Andreas B.
Die Mülltonne steht gleich daneben. Doch der Abfall wird einfach auf den Rasen geworfen | Foto: Andreas B.
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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