Ist Fasching im Norden "out"?

Der Fastnachtsumzug in Stade - ein Auslaufmodell?
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Stader Karnevalsumzug droht das Aus / WOCHENBLATT sammelt Kritik und Anregungen bei Umfrage

tp/jd. Stade. "Stade ahoi!": Gut möglich, dass der Jecken-Gruß in der Kreisstadt verstummt. Denn immer weniger Vereine und Firmen beteiligen sich an dem traditionellen Karnevalsumzug in Stade. Aufgrund des drastischen Anmelde-Rückgangs überlegen die Verantwortlichen der "Stader Fastnachtsgilde" und der Arbeitsgemeinschaft "Aktuelles Stade", die für Samstag, 14. Februar geplante Wagenparade mit bunt kostümiertem Fußvolk erstmals nach 38 Jahren abzusagen. Muss der Stader Karnevalsverein sein Konzept überdenken? Ist Fasching im Norden ein Auslaufmodell? Das WOCHENBLATT sammelte bei einer Umfrage unter Bürgern und Karnevalisten Meinungen und Anregungen.

Hans-Jürgen Berg (73) aus Stade: "Karneval im Norden ist Blödsinn. Das passt nicht hierher. Dafür gehe ich nicht extra aus dem Haus. In Stade hat das Interesse an Märschen abgenommen. Beim Schützenumzug habe ich eine ähnliche Entwicklung beobachtet. Die Grünröcke laufen fast alleine. Das Phänomen ist wohl auch der allgemeinen Hektik geschuldet. Die Leute nehmen sich für nichts mehr richtig Zeit."

Yvona Jascherei (22) aus Stade: "Mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen würde ich mir gerne den Umzug anschauen. Doch ich habe noch nie etwas von dieser Veranstaltung gehört. Vielleicht wirbt der Verein nicht richtig. Neue Medien bieten dafür eine gute Möglichkeit."

Holger Patzelt (42), Vorsitzender der Stader Fastnachtsgilde: "Wir haben im diesem Jahr erstmals versucht, über das Internet noch mehr Vereine aus dem Landkreis zu finden. Einen Grund für den Rückgang der Anmeldezahlen kann ich nicht nennen. Die Rückmeldungen von den Vereinen, die noch an dem Umzug teilnehmen, sind durchweg positiv. Auch die Anzahl der Zuschauer ist relativ konstant. Ich denke, dass die Stader Fastnacht noch zeitgemäß ist. Man sagt zwar, dass Karneval im Norden nicht gefeiert wird, aber die Tradition der Stader Fastnacht ist eine der Ältesten in Deutschland. Der Umzug bietet den teilnehmenden Organisationen eine gute Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Nur leider sind viele Leute nicht mehr bereit, aktiv etwas mitzugestalten. Sie wollen lieber bespaßt werden. Das ist nicht nur ein Problem unseres Vereins, sondern auch der Schützen- und Sportvereine."

Rosi Dodenhof (69), Rentnerin aus Hammah: "Obwohl ich in der Umgebung wohne, würde ich nicht extra nach Stade fahren, um den Umzug zu sehen. Früher habe ich selbst bei Dorf-Maskeraden mitgefeiert. Inzwischen aber empfinde ich solche Veranstaltungen als etwas antiquiert. Der Karneval gehört nach Köln. Wir Norddeutschen sind keine Frohnaturen."

Wolfgang Drusell, Vorsitzender "Aktuelles Stade": "Ich glaube, der Karnevalsumzug geht im Überangebot der vielen über das Jahr verteilten kulturellen Events ein wenig unter."

• Mit solchen Sorgen müssen sich die Jecken in einer anderen Narren-Hochburg des Landkreises nicht plagen: Seit 65 Jahren wird im Geest-Dorf Ahlerstedt Fasching gefeiert, bis "die Schwarte kracht". Doch der "Karneval am Auetal" ist noch lange kein Auslaufmodell. Allerdings gibt es dort keinen Umzug. Höhepunkt der Narrensaison ist die Prunksitzung im örtlichen Schützenhof. Diese hat sich im Laufe der Jahre jedoch zu einem Showabend gewandelt - nachdem das Publikum ausblieb, weil sich niemand die klassischen Büttenreden anhören wollte. Jetzt ist mehr "Party" angesagt - und der Saal ist wieder "proppenvoll".

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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