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Schmutzwasserkanäle kommen in die Jahre
Stades Kläranlage schluckt jährlich 30 Millionen Badewannen-Füllungen

Das Stader Klärwerk liegt direkt an der Schwinge | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
  • Das Stader Klärwerk liegt direkt an der Schwinge
  • Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Was nach dem Spülen oder Duschen im Abfluss verschwindet, ist für die meisten Menschen schnell vergessen. Doch hinter den Kulissen arbeitet in Stade ein weitverzweigtes System aus Kanälen und Pumpen. Der Gewässerschutzbericht für 2025 zeigt: Die Reinigung funktioniert zuverlässig. Gleichzeitig kommen auf die Stadt große Aufgaben zu.

Klärwerk leistet Schwerstarbeit
Im vergangenen Jahr gelangten rund 4,28 Millionen Kubikmeter Abwasser zur Stader Kläranlage. Das entspricht ungefähr der Füllmenge von 30 Millionen randvollen Badewannen. In den Klärbecken und Filteranlagen werden Schmutzstoffe, Stickstoff und Phosphat weitgehend aus dem Wasser entfernt, bevor es in die Schwinge fließt. Die Anlage erreichte dabei hohe Reinigungswerte. Bei biologisch abbaubaren Verschmutzungen lag die Reinigungsleistung bei mehr als 99 Prozent. Auch Stickstoff und Phosphat wurden zu über 92 beziehungsweise 98 Prozent entfernt. Die vorgeschriebenen Grenzwerte wurden stets eingehalten. Der Landkreis kontrolliert die Anlage regelmäßig – insgesamt 24-mal pro Jahr. Allerdings hat die Kläranlage auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Erste Teile gingen bereits Mitte der 1970er-Jahre in Betrieb. Deshalb muss sie Schritt für Schritt modernisiert werden.

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Viele Kanäle kommen in die Jahre
Unter Stades Straßen liegen mehr als 200 Kilometer Schmutzwasserkanäle und rund 233 Kilometer Regenwasserleitungen. Etwa die Hälfte der Kanäle ist mindestens 45 Jahre alt und hat damit die kalkulierte Nutzungsdauer erreicht. Bis 2030 werden fast drei Viertel des heutigen Netzes diese Altersmarke überschritten haben. Die gute Nachricht: Von rund 98 Prozent der Leitungen kennt die Stadt inzwischen den Zustand. Schäden können dadurch gezielter behoben werden. Wo möglich, geschieht das ohne große Baugrube. Dabei werden unter anderem spezielle Kunststoffschläuche in alte Rohre eingezogen oder kleine Reparaturroboter eingesetzt.

Trotzdem bleibt viel zu tun. Schadhafte Leitungen können dazu führen, dass Abwasser ins Erdreich gelangt oder Grundwasser in die Kanalisation eindringt. Außerdem besteht bei beschädigten Rohren die Gefahr von Straßeneinbrüchen. Eine solche Ausspülung hat es erst vor ein paar Wochen im Verlauf der B73 in Harburg gegeben. Dort klaffte in der Fahrbahn ein großes Loch. 

Regenwasser als Herausforderung
Handlungsbedarf besteht auch beim Regenwassernetz. Nach Berechnungen müssten rund 128 Kilometer Regenwasserkanal vergrößert werden. Das entspricht mehr als der Hälfte des untersuchten Netzes. Doch größere Rohre allein werden das Problem nicht überall lösen. Denkbar sind auch Rückhaltebecken, in denen Regen vorübergehend gespeichert wird. Bei Neubauten soll sauberes Regenwasser möglichst auf dem Grundstück versickern. Das entlastet die Kanalisation und hilft, den Grundwasserspiegel auf einem bestimmten Pegel zu halten. Im Jahr 2025 blieb Stade zwar von extremem Starkregen verschont. Einige größere Regenfälle brachten Pumpwerke, Kanalnetz und Kläranlage dennoch zeitweise an ihre Grenzen.

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Ärgernis Feuchttücher 
Ein alltägliches Ärgernis bereitet den Fachleuten weiterhin Arbeit: Feuchttücher. Anders als Toilettenpapier lösen sie sich kaum auf und können Pumpen und Leitungen verstopfen. Die Menge aus Sand, Abfällen und groben Rückständen stieg 2025 auf 99 Tonnen. Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehrfach wurden außerdem Diesel, Öl oder Benzin in Regenwasserkanäle eingeleitet. Die betroffenen Leitungen mussten abgesperrt und gereinigt werden. Ölsperren verhinderten, dass die Stoffe in angrenzende Gewässer gelangten.

Für die kommenden Jahre sind hohe Investitionen vorgesehen. In den kommenden drei Jahren werden für die Kläranlage rund 7,5 Millionen Euro benötigt, in einem Zeitraum von zehn Jahren etwa 13 Millionen Euro.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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