Hier ist der künftige Bürgermeister gefordert
Stades Müllproblem - und keine Lösung in Sicht?
- Müll gesellt sich zu Müll: Hier hat jemand am Stader Altstadtring einen Schuhschrank illegal entsorgt (Foto li.). Zwei Tage später wurde dort weiterer Müll abgelegt (re.)
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Massenhafter Müll und Verschandelung der öffentlichen Flächen sind längst keine Probleme mehr, die nur das Altländer Viertel betreffen. Das Problem zieht sich zunehmend durch die gesamte Hansestadt Stade. Auf die konkrete Kritik des WOCHENBLATT an den Missständen haben dennoch nur zwei der sechs Bürgermeisterkandidaten direkt reagiert. Ein weiterer Bewerber greift das Thema inzwischen in seinem Wahlkonzept auf.
Wer durch Stade geht, stößt inzwischen vielerorts auf illegale Ablagerungen, überfüllte Abfallbehälter und ungepflegte öffentliche Flächen. Betroffen sind nicht nur einschlägige Brennpunkte, sondern auch Bereiche der Innenstadt. Das WOCHENBLATT zeigte das Problem Mitte Juni auf. Bei einem kurzen Rundgang entlang des Altstadtrings kamen auf wenigen hundert Metern zahlreiche Ärgernisse zusammen – was so gar nicht zum Anspruch einer attraktiven und lebenswerten Stadt passt.
Das WOCHENBLATT verband seinerzeit den Bericht mit einer konkreten Frage an die Bewerber um das Bürgermeisteramt: Was wollen sie unternehmen, damit solche Zustände künftig schneller beseitigt oder möglichst verhindert werden? Die Bilanz ist überschaubar: Von den sechs Kandidaten reagierten lediglich zwei: Tristan Jorde, unabhängiger Kandidat mit Unterstützung der Linken, und CDU-Bewerber Arne Kramer.
Tristan Jorde (Linke) warnt davor, die Debatte nur auf zusätzliche Kontrollen und höhere Bußgelder zu reduzieren. Solche Maßnahmen könnten Probleme lediglich verlagern. Er setzt stattdessen auf stärker belebte öffentliche Räume. Wo viele Menschen zu Fuß unterwegs seien und sich gerne aufhielten, entstehe mehr soziale Kontrolle. Dazu gehörten attraktivere Fuß- und Radwege, weniger dominierender Autoverkehr und mehr Aufenthaltsqualität. Zugleich fordert Jorde mehr öffentliche Abfallbehälter und Recyclingmöglichkeiten. Die Stadtreinigung müsse häufiger unterwegs sein und Verschmutzungen schneller beseitigen.
- Ein typisches Bild aus Stade: Müll und Schmierereien
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Arne Kramer (CDU) will das Problem durch Prävention, bessere Organisation und ein konsequenteres Vorgehen gegen Müllsünder in den Griff bekommen. Er schlägt eine Informationskampagne vor, will Meldungen vereinfachen und prüfen lassen, ob Mülleimer und Container häufiger geleert werden müssen.
Bei illegaler Müllentsorgung fordert Kramer ein konsequentes Verhängen von Bußgeldern. Auch den Einsatz sogenannter Waste Watcher oder eine rechtlich zulässige Kameraüberwachung schließt er nicht grundsätzlich aus. Zusätzliche Beschäftigungsangebote könnten nach seiner Vorstellung außerdem dazu beitragen, kommunale Betriebe bei der Reinigung öffentlicher Flächen zu unterstützen.
Eine direkte Antwort auf die damalige WOCHENBLATT-Anfrage gab FDP-Kandidat Enrico Bergmann nicht. In seinem später vorgelegten Konzept „Stade handelt“ finden sich jedoch konkrete Aussagen zum Thema. Mit einer „Stader 48-Stunden-Reaktion“ sollen Glasscherben, illegale Müllablagerungen, beschädigte Beleuchtung oder kaputte Spielgeräte innerhalb von zwei Tagen beseitigt, abgesichert oder mit einem verbindlichen Bearbeitungstermin versehen werden. Zudem will Bergmann den städtischen Mängelmelder zu einer digitalen Plattform mit öffentlicher Karte ausbauen. Dort soll sichtbar sein, wann ein Problem gemeldet wurde, wer zuständig ist und wie weit die Bearbeitung fortgeschritten ist.
Abwarten, welche Taten auf die Ankündigungen folgen – sofern einer dieser drei Kandidaten zum Bürgermeister gewählt wird. Aber auch als einfaches Ratsmitglied lässt sich einiges erreichen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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