Gewaltexzess beim Fußballtraining
Nach Massenschlägerei: Landkreis Stade wirft islamische Gemeinde aus Sporthalle

Der Erste Kreisrat Thorsten Heinze ist sichtlich verärgert und zieht Konsequenzen | Foto: Daniel Beneke/LK Stade
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  • Der Erste Kreisrat Thorsten Heinze ist sichtlich verärgert und zieht Konsequenzen
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Ein Streit beim Freizeitfußball, Pfefferspray, Schläge mit Holzlatten und Schlagstöcken: Was am vergangenen Freitagabend in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen III in Stade begann, endete in einer Massenschlägerei mit mindestens sechs Verletzten und einem Großeinsatz der Polizei. Rund 40 bis 50 Menschen sollen an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein. Vier Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Auslöser war offenbar ein zunächst verbaler Streit während eines offenen Fußballtrainings, der sich immer weiter hochschaukelte und schließlich auf dem Parkplatz vor der Halle eskalierte. Die Halle wurde nach WOCHENBLATT-Informationen von der DITIB-Moscheegemeinde aus Bützfleth in Kooperation mit einer Sportgemeinschaft genutzt. DITIB ist der größte islamische Dachverband in Deutschland. Laut Medienberichten steht DITIB unter der Kontrolle der staatlichen türkischen Religionsbehörde. Für die Bützflether Moscheegemeinde hat der Vorfall jetzt Konsequenzen: Der Landkreis Stade hat ihr die Hallennutzung untersagt. Und beim Ersten Kreisrat Thorsten Heinze macht sich Ernüchterung breit.

„Als ich von der Schlägerei erfahren habe, war mein erster Gedanke: Nicht schon wieder. Stade kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen heraus“, erklärt Heinze. Dass die gewalttätige Auseinandersetzung ausgerechnet in einer Sporthalle des Landkreises ihren Ausgang nahm, macht den Vorfall für ihn besonders ärgerlich. Als Schuldezernent ist Heinze für die Schulen in Trägerschaft des Landkreises verantwortlich. Dazu gehören auch die Berufsbildenden Schulen in Stade.

Neue Erkenntnisse zur Massenschlägerei in Stade

Regeln wurden missachtet
Heinze hat auf die Vorfälle schnell reagiert: Der Landkreis habe gegenüber der islamischen Gemeinde aus Bützfleth, der die Sporthalle für ein offenes Fußballtraining zur Verfügung gestellt worden war, die Hallennutzung widerrufen, teilte der Erste Kreisrat auf WOCHENBLATT-Anfrage mit. Die zur Verfügung gestellten Hallenzeiten wurden gestrichen.

Für ihn ist diese Entscheidung ein notwendiges Signal. Die islamische Gemeinde sei als verantwortlicher Nutzer verpflichtet gewesen, für einen ordnungsgemäßen Ablauf des Trainingsabends zu sorgen. Das Vertrauen des Landkreises sei durch die gewalttätige Auseinandersetzung in grober Weise verletzt worden. Grundsätzlich stelle der Landkreis seine schulischen Einrichtungen gerne zur Verfügung, damit sich Menschen außerhalb der Unterrichtszeiten sportlich betätigen können, so Heinze. Allerdings gebe es dafür klare Regeln.

In der Sporthalle der BBS III in Stade ereignete sich die Massenschlägerei | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
  • In der Sporthalle der BBS III in Stade ereignete sich die Massenschlägerei
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„Dabei gehen wir selbstverständlich davon aus, dass alle Vereine und Verbände, die unsere Sporthallen nutzen, sich an die Hausordnung halten und sich dort friedlich verhalten“, sagt Heinze.
Diese Regeln seien am betreffenden Freitagabend massiv missachtet worden. Die Auseinandersetzung habe offenbar in der Sporthalle begonnen und sei anschließend auf dem angrenzenden Parkplatz, der ebenfalls dem Landkreis gehört, weiter eskaliert. Der Landkreis habe reagieren müssen, um deutlich zu machen, dass derartige Vorfälle nicht hingenommen werden. „Gerade bei einer solchen gewalttätigen Entgleisung muss es eine angemessene Reaktion geben“, betont Heinze.

Massenschlägerei im Altländer Viertel mit rund 150 Beteiligten

Gewaltprävention als gemeinsame Aufgabe
Doch mit dem Widerruf der Hallennutzung allein ist es für Heinze nicht getan. Schließlich ist es in Stade nicht zum ersten Mal zu solchen Ausschreitungen gekommen. Bereits mehrfach hatte es in diesem Jahr gewalttätige Vorfälle im Altländer Viertel gegeben. Mit dieser Entwicklung dürfe sich die Stadtgesellschaft nicht abfinden, macht der Erste Kreisrat deutlich. Es könne nicht sein, dass sich aus nichtigen Anlässen immer wieder größere Menschenansammlungen bildeten und sich bestimmte Bevölkerungsgruppen dabei aggressiv verhielten.

Heinze sieht deshalb nicht nur Polizei und Ordnungsbehörden in der Pflicht. Vielmehr müssten alle gesellschaftlichen Akteure in Stade gemeinsam dafür sorgen, dass sich solche Vorfälle künftig nicht wiederholen. Erste Gespräche mit der Hansestadt Stade und der Polizei habe der Landkreis bereits geführt. Dabei gehe es insbesondere um die Frage, welche zusätzlichen Schritte bei der Gewaltprävention unternommen werden können.

Dass die Lage an der Sporthalle nicht noch weiter eskalierte, ist aus Sicht des Ersten Kreisrates dem schnellen Eingreifen der Polizei zu verdanken. Heinze bedankt sich ausdrücklich bei den Einsatzkräften, die mit einem Großaufgebot vor Ort gewesen seien und die Situation rasch unter Kontrolle gebracht hätten.

Altländer Viertel in Stade: mehr als ein Problem der Polizei
Der Erste Kreisrat Thorsten Heinze ist sichtlich verärgert und zieht Konsequenzen | Foto: Daniel Beneke/LK Stade
In der Sporthalle der BBS III in Stade ereignete sich die Massenschlägerei | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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