Staatliche Gesellschaft setzt auf Information
Umfrage zeigt: Nicht einmal die Hälfte der Stader weiß, dass es vor Ort ein Atommüll-Zwischenlager gibt
- Noch steht das Reaktorgebäude des ehemaligen Stader Kernkraftwerks. Im kommenden Jahr wird die markante Kuppel abgerissen
- Foto: Martin Elsen / nord-luftbilder.de
- hochgeladen von Jörg Dammann
Mit einem Kunstprojekt "verabschiedet" sich das Kernkraftwerk Stade Ende des Monats. Das Reaktorgebäude mit seiner charakteristischen Kuppel wird im kommenden Jahr abgerissen. Was vor Ort noch jahrelang bleiben wird, ist der schwach- und mittelaktive atomare Abfall - verwahrt in einem Zwischenlager der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Doch was denken die Menschen, die in der Nähe solcher speziellen Lager für radioaktive Abfälle wohnen, darüber? Dazu lässt die BGZ alle zwei Jahre eine Umfrage durchführen. Nun liegen die Ergebnisse der zweiten Erhebung vor.
Die wenigsten wissen: der Staat ist zuständig
Die Umfrage zeigt: Dass die Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle in Deutschland bei einem staatlichen Unternehmen liegt, finden 64 Prozent der Befragten in Stade richtig. In diesem Zusammenhang hat sich der Kenntnisstand der Bevölkerung in Sachen Atommülllagerung ein wenig verbessert: 39 Prozent (bundesweit 42 Prozent) wussten, dass der Betrieb der Zwischenlager in staatlichen Händen liegt. Bei der ersten Befragung 2023 waren es 35 Prozent (bundesweit 37 Prozent). Auch die Bekanntheit der BGZ als Betreiberin der Anlagen ist deutlich gestiegen.
Nur ein Drittel sieht ein hohes Risiko
Allerdings wusste nicht einmal die Hälfte der Befragten aus dem Bereich in und um Stade (48 Prozent), dass es überhaupt das Zwischenlager vor Ort gibt. Hinsichtlich dieses Wissensstandes liegt die Region Stade bundesweit im unteren Bereich aller Standorte – wenn auch mit einem deutlichen Plus im Vergleich zu 2023.
Was die grundsätzliche Akzeptanz angeht, zeigt sich ein gespaltenes Bild: 47 Prozent halten das Zwischenlager für notwendig, während rund ein Drittel (31 Prozent) sich in dieser Frage unsicher zeigt. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil stuft die Lagerung als nicht notwendig ein. In Sachen Sicherheit gehen die Meinungen auseinander. Ein Drittel der Befragten (34 Prozent) sieht ein „ziemlich hohes Risiko“ durch ein solches Zwischenlager, während 42 Prozent die Gefahr als gering oder nicht existent einschätzen. Zum Vergleich: Bundesweit halten mehr als die Hälfte der Befragten das Risiko für gering oder nicht gegeben.
Keine großen Debatten über das Zwischenlager
Allerdings haben sich bislang nur 13 Prozent der Befragten im Landkreis Stade aktiv über das Thema Zwischenlagerung informiert – das ist der niedrigste Wert aller Regionen. Auch die öffentlichen Diskussionen vor Ort sind eher verhalten: Nur zwei Prozent nehmen intensive Debatten wahr, 20 Prozent berichten von gelegentlichen Gesprächen. Damit zählt Stade zu den leiseren Standorten – ganz anders als etwa Gorleben, wo die Diskussion deutlich intensiver geführt wird. Was sich die Menschen in der Region aber wünschen, sind verständliche und nüchterne Informationen. Unter denjenigen, die sich bereits aktiv mit dem Thema beschäftigt haben, finden 61 Prozent die Informationen der BGZ glaubwürdig – ein Wert, der knapp unter dem Bundesdurchschnitt (68 Prozent) liegt.
„Die Umfrage liefert uns aktuelle Informationen zum Wissensstand und Stimmungsbild der Bürger an den Standorten“, sagt die Vorsitzende der BGZ-Geschäftsführung, Bettina Hesse. „Mit der zweiten Auswertung ergibt sich ein noch detaillierteres Bild, das wir durch weitere Umfragen in den kommenden Jahren ergänzen wollen.“ Die BGZ werde die Ergebnisse in ihre Arbeit einfließen lassen. Der BGZ sei ein gutes Miteinander mit den Nachbarn an den Standorten wichtig. Grundlage dafür sei größtmögliche Transparenz. Nur dies schaffe Vertrauen bei der Bevölkerung.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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