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Millionenbau für Flattermänner in Stade

Am Stadtrand von Stade soll bis zum Jahr 2023 ein Autobahn- und Gleisdamm mit Fledermaus-Tunnel entstehen - nicht ganz so wie in dieser Fotomontage Fotos: Landesbehörde für Straßenbau/Archiv/Grafik: MSR
 
Chef-Planer Sebastian Mannl

Erster Fledermaus-Tunnel in der Region: Durchlass unter Mega-Damm für Industriegleis und Autobahn 26 soll 2023 fertig sein

tp. Stade. Mit rund einem Kilometer Länge, bis zu zehn Metern Höhe und 30 Metern Breite wird der künftige Damm für die geplante Autobahn A26 und das neue Industriegleis im Osten von Stade in der Landschaft liegen wie ein Mega-Riegel. Beim Infomarkt über die Verkehrs-Großvorhaben, der kürzlich im Stader Rathaus stattfand, informierten Planer um den Küstenautobahn-Projektchef Sebastian Mannl von der Landes-Straßenbaubehörde erstmals öffentlich über den in der Region ersten Fledermaustunnel, mit dem besonders schützenswerte Flugsäuger den Damm durchqueren sollen.

Bei biologischen Kartierungen fanden Fachleute in dem Plangebiet sechs seltene und besonders schützenswerte Fledermausarten, deren Asprüche an den Lebensraum streng berücksichtigt werden müssen. Laut Bau-Ingenieur Mannl wird der eine Million Euro teure Flugtunnel südlich des Altländer Viertels speziell für die Zwerg-, Fransen- und Mausohrfledermaus konzipiert. Diese Arten orientieren sich im Flug zwischen ihren Ruhequartieren und ihrem Insekten-Jagdrevier an natürlichen Landmarken wie Bäumen oder Gewässern und fliegen verhältnismäßig tief.

Ohne Tunnel bestünde hohes Kollisionsrisiko mit den schnell fahrenden Pkw auf der Autobahn und damit Lebensgefahr für die Fledermäuse. Mit entsprechenden sogenannten Leitpflanzungen wie hohen Hecken sollen die Fledermäuse zu den 8,50 Meter hohen und zehn Meter breiten Tunnelöffnungen geführt werden. Bei den Entwürfen richten sich die Planer u.a. nach Vorgaben aus dem Naturschutzgesetz und nach Empfehlungen aus der "Arbeitshilfe Fledermäuse und Straßenverkehr" des Bundes.

Die im Planungsareal vorkommenden, hoch fliegenden Abendsegler und die Breitflügelfledermäuse indes werden nach Mannls Einschätzung den Tunnel nicht in Anspruch nehmen. Auch nicht die auf der Suche nach Insekten tief fliegende Wasserfledermaus. Sie werde eher dem Verlauf des bennachbarten Tunnels für den Kanal "Hollerner Moorwettern" folgen.

Nicht nur an Fledermäuse wird gedacht. Auch für den unter Naturschutz stehenden Fischotter soll es einen Durchlass geben.

Unterdessen verfolgen Naturschützer die Planung des Damms, durch die eine grüne Wiese in eine Hauptverkehrstrasse verwandelt wird, mit Skepsis: Wolfgang Ebbinghaus, Zweiter Vorsitzender des NABU-Kreisverbands Stade und Fledermaus-Regionalbetreuer, sagt: "In der Regel werden die Fledermäuse nur zufällig einen Tunnel nutzen. Sie nutzen ihn auf keinen Fall für einen regelmäßigen Durchflug, z.B. um einen Unfall mit Fahrzeugen zu vermeiden. Sie weichen eher in größeren Höhen aus."

Und: "Waldbewohnende Arten wie diverse Mausohrarten werden natürlich nur dann das Bedürfnis haben, einen Tunnel zu passieren, wenn sich an beiden Enden des Tunnels ein großer Wald oder ein Jagdgewässer befindet. Selbst in diesem Fall wird ein Überflug bevorzugt."

Allgemein wünscht sich Ebbinghaus "mehr großflächige Querungsmöglichkeiten für Wildtiere wie Rotwild, Schwarzwild, Kleinsäuger und natürlich auch alle Amphibien und Vögel unter und über stark frequentierten Verkehrswegen".