Medizinische Premiere
Erster sondenloser Herzschrittmacher am Elbe Klinikum Stade
- Oliver Marx hält den sondenlosen Einkammer-Herzschrittmacher in der Hand
- Foto: Elbe Kliniken/Sebastian Braeutigam
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Premiere im Elbe Klinikum Stade: Erster sondenloser Herzschrittmacher implantiert
Im Elbe Klinikum Stade ist Mitte Dezember erstmals ein sondenloser Einkammer-Herzschrittmacher implantiert worden. Der minimalinvasive Eingriff markiert einen medizinischen Meilenstein für die Kardiologie am Standort Stade. Durchgeführt wurde die Operation von Oliver Marx, Oberarzt der Kardiologie und Leiter der Herzschrittmacherambulanz.
Der sogenannte Leadless Pacemaker ist kaum größer als eine Vitaminkapsel und wurde direkt in die rechte Herzkammer eingesetzt. Sondenlose Herzschrittmacher kommen ohne die sonst üblichen Kabelverbindungen aus und können bei ausgewählten Patientinnen und Patienten das Risiko von Komplikationen und Infektionen deutlich senken.
Jährlich mehr als 1.000 Kontrollen in der Herzschrittmacher-Ambulanz
In der Herzschrittmacher-Ambulanz des Elbe Klinikums Stade werden jährlich mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten nachkontrolliert. Rund 350 Menschen erhalten dort jedes Jahr einen Herzschrittmacher oder – bei Herzschwäche oder nach Kammerflimmern – einen Defibrillator.
Oliver Marx implantiert seit über 13 Jahren Herzschrittmachersysteme und gehört zu den Hauptoperateuren der Klinik. Bislang kamen überwiegend konventionelle Systeme zum Einsatz, bei denen das Aggregat unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt wird. Von dort führen bis zu drei Sonden über eine Vene zum Herzen, um elektrische Impulse zu übertragen und Signale zurückzumelden.
Leadless Pacemaker: klein, kabellos, vollständig im Herzen
Mit der aktuellen Implantation wurde erstmals ein sondenloser Einkammer-Herzschrittmacher eingesetzt.
„Im Unterschied zu den konventionellen Herzschrittmachern kommt dieser ohne die transvenös zum Herzen führenden Kabel, auch Leads genannt, aus“, erklärt Oliver Marx.
Das gesamte System – inklusive Batterie und Elektronik – befindet sich in einer 26 Millimeter langen Kapsel mit weniger als 7 Millimetern Durchmesser und einem Gewicht von unter zwei Gramm. Damit handelt es sich um den weltweit kleinsten Herzschrittmacher.
Weniger Komplikationen bei bestimmten Risikopatienten
Der Vorteil der neuen Technik liegt vor allem im geringeren Infektionsrisiko.
„Konventionelle Herzschrittmacher sind mit einer gewissen Komplikationsrate verbunden. Unter Umständen kann es zu Brüchen oder einer Verlagerung der Sonde kommen. Vor allem ist aber immer ein gewisses Infektionsrisiko durch die Wunde unterhalb des Schlüsselbeins gegeben“, so Marx.
Bakterien könnten sich dort ansiedeln und vermehren, eine antibiotische Therapie reiche häufig nicht aus.
„Uns bleibt dann nur die vollständige Entfernung“, ergänzt er.
Im aktuellen Fall hatte sich die Schrittmachertasche des Patienten infiziert – daher fiel die Entscheidung für ein sondenloses System.
Kein Standard, aber wichtige Option
Trotz der Premiere wird der Leadless Pacemaker nicht zum neuen Standardverfahren. Das betont Chefarzt Sebastian A. Philipp:
„Die Komplikationsrate konventioneller Herzschrittmacher gibt keinen Anlass zur Sorge. Herzschrittmacher-Operationen sind Routineeingriffe und mit einem geringen Risiko verbunden.“
Für bestimmte Patientengruppen könne das neue System jedoch Vorteile bieten. Dazu zählen unter anderem Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz, Diabetes, Dialysepflicht oder sehr geringem Körpergewicht.
Implantation über Katheter – kaum sichtbare Spuren
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv im Herzkatheterlabor. In der Regel wird der Schrittmacher über einen Katheter in der Leiste eingeführt, in seltenen Fällen über die Halsvene.
„Über eine etwa 9 Millimeter dicke Führungshilfe wird der Katheter von der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben“, erläutert Marx. In der rechten Herzkammer wird der Schrittmacher an der Herzscheidewand verankert. Flexible Haltearme sorgen für einen sicheren Sitz im Herzgewebe.
Nach dem Eingriff bleibt lediglich eine kleine Naht in der Leiste. Bereits nach wenigen Stunden können sich die Patientinnen und Patienten wieder normal bewegen.
Lange Haltbarkeit und bewährte Nachsorge
Die Lebensdauer des sondenlosen Herzschrittmachers beträgt rund 10 bis 14 Jahre. Die Nachsorge erfolgt – wie bei herkömmlichen Systemen – in der Herzschrittmacherambulanz mit halbjährlichen Kontrollen.
Sondenlose Einkammer-Systeme sind bereits seit 2013 im Einsatz. Zweikammersysteme, die zusätzlich den Vorhof erfassen, kamen vor wenigen Jahren hinzu. Anfangs wurden diese Verfahren ausschließlich an großen Herzzentren durchgeführt. Heute implantieren sie auch kleinere Kliniken – vorausgesetzt, die Operateure sind entsprechend zertifiziert und geschult.
Mit der erfolgreichen Premiere erweitert das Elbe Klinikum Stade sein kardiologisches Leistungsspektrum um eine hochmoderne Behandlungsoption für ausgewählte Patientinnen und Patienten.
Fragen und Antworten zur ersten Implantation eines sondenlosen Herzschrittmachers im Elbe Klinikum Stade
Was ist im Elbe Klinikum Stade Mitte Dezember passiert?
In der Kardiologie des Elbe Klinikums Stade wurde erstmals ein sondenloser Einkammer-Herzschrittmacher implantiert.
Wer führte den Eingriff durch?
Oliver Marx, Oberarzt in der Kardiologie und Leiter der Herzschrittmacherambulanz, führte den minimalinvasiven Eingriff durch.
Was ist ein sondenloser Einkammer-Herzschrittmacher (Leadless Pacemaker)?
„Im Unterschied zu den konventionellen Herzschrittmachern kommt dieser ohne die transvenös zum Herzen führenden Kabel, auch Leads genannt, aus“, erklärt Marx.
Wie groß ist das Gerät?
Mit 26 Millimetern Länge, einem Durchmesser von weniger als 7 Millimetern und einem Gewicht von unter 2 Gramm ist der Schrittmacher deutlich kleiner als konventionelle Systeme.
Warum kann das System Vorteile bringen?
„Konventionelle Herzschrittmacher sind mit einer gewissen Komplikationsrate verbunden. Unter Umständen kann es zu Brüchen oder einer Verlagerung der Sonde kommen. Vor allem ist aber immer ein gewisses Infektionsrisiko durch die Wunde unterhalb des Schlüsselbeins gegeben“, erklärt Marx.
Wird der sondenlose Herzschrittmacher jetzt Standard?
„Die Komplikationsrate konventioneller Herzschrittmacher gibt keinen Anlass zur Sorge. Herzschrittmacher-Operationen sind Routineeingriffe und mit einem geringen Risiko verbunden“, sagt Chefarzt PD Dr. med. Sebastian A. Philipp.
Für wen kann das Verfahren besonders geeignet sein?
Für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko oder bereits bestehenden Infektionen kann das System eine gute Behandlungsoption darstellen.
Wie läuft der Eingriff ab?
„Über eine etwa 9 Millimeter dicke Führungshilfe wird der Katheter von der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben“, erklärt Marx. Implantiert wird das Gerät minimalinvasiv im Herzkatheterlabor.
Wie lange hält der Schrittmacher und wie erfolgt die Kontrolle?
Der Schrittmacher hält etwa 10 bis 14 Jahre. Die Nachsorge erfolgt wie bei konventionellen Systemen mit halbjährlichen Kontrollen in der Herzschrittmacherambulanz.
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