Sanierung für eine Million Euro
Stader Schmuckstück wird herausgeputzt: Zeughaus erhält eine neue Fassade

Sparkassen-Pressesprecher Henrik Klinger (li.) begutachtet gemeinsam mit dem Architekten Tobias Daber den Zustand der Holzbaken am Zeughaus | Foto: jd
10Bilder
  • Sparkassen-Pressesprecher Henrik Klinger (li.) begutachtet gemeinsam mit dem Architekten Tobias Daber den Zustand der Holzbaken am Zeughaus
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Wer durch die Stader Altstadt schlendert, dem sticht es sofort ins Auge: das Zeughaus am Pferdemarkt. Gemeinsam mit Schwedenspeicher, Hansehafen, Rathaus sowie den Kirchen St. Cosmae und St. Wilhadi prägt es das historische Gesicht der Hansestadt. Doch derzeit ist das altehrwürdige Bauwerk verhüllt wie damals der Reichstag. In Stade geht es aber nicht um Kunst, sondern um erforderliche Sanierungsarbeiten. 

Tobias Daber (li.) und Henrik Klinger an der Stelle, wo die Wand am stärksten beschädigt ist | Foto: jd
  • Tobias Daber (li.) und Henrik Klinger an der Stelle, wo die Wand am stärksten beschädigt ist
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Feuchtigkeit und Vandalismus
Gemeinsam mit Architekt Tobias Daber und Sparkassen-Pressesprecher Henrik Klinger geht es für den WOCHENBLATT-Autor auf die Baustelle – und sogar hoch hinaus aufs Gerüst. Schon am Fuß des Gebäudes, zur Fußgängerzone hin, wird deutlich, warum die jetzige Fassadensanierung nötig ist: Der bröckelnde Putz ist bereits weitgehend abgeklopft, Feuchtigkeit hat dem Mauerwerk zugesetzt. Hier sind die Schäden am größten - nicht zuletzt, weil einige Zeitgenossen die Zeughaus-Mauer mit einem öffentlichen WC verwechselt haben, so Klinger. Auch im Inneren des Gebäudes, in der ehemaligen Passage, kam es immer wieder zu "Pinkel-Vandalismus" - trotz Kameras. Manche Menschen haben eben keine Scham.

Auch hier muss etwas getan werden: Farbe blättert von der Fassade | Foto: jd
  • Auch hier muss etwas getan werden: Farbe blättert von der Fassade
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Denkmalamt gibt Farbe vor
Ein paar Stufen höher zeigt sich vom Baugerüst aus ein anderes Bild: Balken, die aktuell noch in Schwarz, Gelb und Rot gefasst sind, werden künftig einheitlich braun gestrichen. „Wir orientieren uns so nah wie möglich am historischen Erscheinungsbild“, erklärt Daber. Auch der Farbton der Fassade wird sich ändern. Der Denkmalschutz habe mehrere Nuancen vorgegeben, anhand anderer historischer Häuser in der Altstadt, berichtet Daber. Bevor die endgültige Entscheidung fällt, werden Musterflächen in den verschiedenen Farbtönen angestrichen. Am Ende dürfte es wohl auf einen Ockerton hinauslaufen. Wie die Orginalfarbe war, lässt sich leider nicht mehr sagen. Bei einer Generalsanierung vor rund 30 Jahren wurden sämtliche Farbschichten abgetragen.

Kriegerische Symbolik über dem Eingangsprtal des Zeughauses | Foto: jd
  • Kriegerische Symbolik über dem Eingangsprtal des Zeughauses
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Kanonen über dem Portal
Vom Gerüst aus eröffnet sich ein Detail, das sonst gar nicht so wahrgenommen wird: eine Art Wappen über dem Eingangsportal – aus nächster Nähe wirkt es fast wie neu entdeckt. Unter der Königskrone mit der römischen Zahl XII für den schwedischen König Karl den Zwölften (1682 - 1718) weisen Kanonen und andere martialische Gegenstände auf die ursprüngliche Nutzung des Zeughauses in der Stader Schwedenzeit als Militärdepot hin. Weiter oben sind die Schäden am Putz nicht so gravierend, aber auch hier muss an einigen Stellen zum Hammer gegriffen werden, um schadhafte Stellen abzuklopfen.

Auch hier muss etwas getan werden: Farbe blättert von der Fassade | Foto: jd
  • Auch hier muss etwas getan werden: Farbe blättert von der Fassade
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Dach bleibt, wie es ist
Über eine schmale Leiter ist schließlich das Dach erreicht. Hier muss so gut wie nichts getan werden. Die Dachziegel sind gut in Schuss, die Dachgauben bleiben erhalten, obwohl sie nicht dem ursprünglichen Zustand des Gebäudes entsprechen. Alte Karten zeigen das Zeughaus mit einem Dach ohne Ausbauten. Die Gauben sollen bleiben, damit die Räume im Dachgeschoss weiterhin als Büros genutzt werden können, erläutert Klinger. Die Sparkassen-Mitarbeiter sind zu beneiden: Der Ausblick von hier oben auf den Pferdemarkt ist toll. Dafür hat sich die Kletterei auf dem Gerüst gelohnt.

Blick nach unten auf den Pferdemarkt | Foto: jd
  • Blick nach unten auf den Pferdemarkt
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Sparkasse investiert eine Million Euro
Rund eine Million Euro investiert die Sparkasse Stade-Altes Land in die Sanierung. Ziel ist es, die historische Substanz langfristig zu sichern. Dazu wird die Fassade Stück für Stück abgeklopft, schadhafter Putz entfernt und neu aufgebaut. Eine sogenannte Horizontalsperre soll künftig verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Boden in die Mauern zieht. Dafür wird knapp über dem Boden alle 15 Zentimeter ein spezielles Mittel in das Mauerwerk injiziert. Zusätzlich werden Hohlräume mit Zementleim verfüllt. Ein letzter Blick geht ins Innere des Zeughauses. Dort werden die ehemaligen Räumlichkeiten des Irish Pub umgebaut. Sie werden künftig ebenfalls von der Sparkasse genutzt.

Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein – rechtzeitig, bevor die Stader Innenstadt wieder zum Schauplatz größerer Veranstaltungen wird. Dann soll das Zeughaus wieder das sein, was es für viele Stader längst ist: ein echtes Schmuckstück.

WOCHENBLATT-REdaktionsleiter Jörg Dammann in luftiger Höhe | Foto: jd
  • WOCHENBLATT-REdaktionsleiter Jörg Dammann in luftiger Höhe
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Gebäude mit bewegter Geschichte

Das Zeughaus am Stader Pferdemarkt blickt auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurück. Errichtet wurde es ab 1697 während der schwedischen Herrschaft in Stade als Militärdepot. Unter dem Profanbau befinden sich die Reste des ehemaligen St.-Georg-Klosters aus dem 12. Jahrhundert. An das Kloster erinnert die Gruft Bremer Erzbischofs Gottfried von Arnsberg, die auch künftig im Keller des Zeughauses besichtigt werden kann.

Die Passage im Inneren des Zeughauses stammt aus den 1990er Jahren | Foto: jd
  • Die Passage im Inneren des Zeughauses stammt aus den 1990er Jahren
  • Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Nach seiner militärischen Nutzung wandelte sich die Funktion des Gebäudes mehrfach: Anfang des 20. Jahrhunderts diente es unter anderem als Markthalle, Lager und Jugendherberge, bevor es 1929 in den Besitz der Stadt überging. Ab 1952 gab es im Zeughaus für rund 30 Jahre ein Kino. Später wurde eine Ladenpassage eingebaut. Die Geschäfte dort hielten sich aber nicht lange. Vor rund 25 Jahren übernahm die Sparkasse Stade-Altes Land das Gebäude, das sich direkt gegenüber deren Zentrale befindet. Mit der Stadt wurde ein Vertrag im Rahmen des Erbbaurechts abgeschlossen.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

Webseite von Jörg Dammann
Jörg Dammann auf Facebook
Jörg Dammann auf Instagram

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

16 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.