Landkreis Stade setzt auf Bürgerdialog
Zukunftswerkstatt im Stader Kreishaus: Diskussion um Windkraft und Naturschutz
- Auf dem Podium der Zukunftswerkstatt Raumordnung standen Landvolk-Kreisgeschäftsführer Christoph Wilkens (v. li.), Landwirt Marten Balthasar, Landrat Kai Seefried, Frank Havemann, Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz, Umweltschutz und Regionalplanung, reisbaurätin Madeleine Pönitz, Amtsleiter Simon Grotthoff sowie Dr. Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg.
- Foto: Landkreis Stade / Florian Obst
- hochgeladen von Jörg Dammann
Wo sollen künftig neue Wohngebiete entstehen? Auf welchen Flächen ist die Natur besonders schützenswert? Und wo ist Platz für weitere Windparks? Antworten auf solche Fragen gibt das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP). In diesem Programm legen die Landkreise fest, wie mit der knappen Ressource Boden umzugehen ist. Im Landkreis Stade arbeitet die Verwaltung derzeit an einer Neuauflage des RROP. Etwa alle zehn Jahre muss diese planerische Grundlage für die Flächennutzungspläne und Bebauungspläne der Kommunen überarbeitet werden. Jetzt wurde der aktuelle Planungsstand einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt - im Rahmen des Bürgerbeteiligungs-Formats "Zukunftswerkstatt".
Die Resonanz war groß: Mehr als 100 Bürger kamen direkt zur Zukunftswerkstatt ins Stader Kreishaus, viele andere verfolgten die Veranstaltung online per Livestream. Die eingeladenen Experten lieferten umfangreiche Informationen und beantworteten Fragen zu verschiedenen Themen. Die Kreisverwaltung nahm Anliegen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger mit. Ein erster Entwurf des neuen RROP liegt bereits vor. Nun geht das Verfahren in die zweite Runde. Spätestens Ende kommenden Jahres soll das künftige Raumordnungsprogramm von der Kreispolitik verabschiedet werden.
Verschiedene Interessen in Einklang bringen
Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung geht es darum, unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang bringen. Es geht um verschiedenste Nutzungsansprüche an den Raum, wie etwa Landwirtschaft,
Energieerzeugung, Siedlungsentwicklung, Infrastruktur und Naturschutz. Bei der Erstellung des RROP müssen die Planer des Landkreises die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit
seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringen. Und dies soll möglichst bürgernah und offen geschehen. „Transparenz ist dem Landkreis Stade grundsätzlich und insbesondere bei der Neuaufstellung des RROP ein großes Anliegen“, erklärte Landrat Kai Seefried.
Mehr als 500 Stellungnahmen
Im ersten Beteiligungsverfahren zur Neuaufstellung des RROP, das von Ende November 2025 bis Anfang dieses Jahres lief, gingen insgesamt 525 Stellungnahmen ein, davon kamen 410 aus der Öffentlichkeit. Bei 180 Stellungnahmen aus der Bevölkerung ging es um Festlegung zu den Themen Natur und Landschaft, Biotopverbund und Erhalt der Moorgebiete. Weitere 110 Stellungnahmen befassten sich mit möglichen Potenzialflächen für die Windkraftnutzung. Diese Anregungen werte die Verwaltung derzeit aus, erläuterte Simon Grotthoff, Leiter des zuständigen Planungsamtes beim Landkreis.
Zweite Fassung wird ausgearbeitet
"Wir bereiten nun das zweite Beteiligungsverfahren vor", berichtete Grotthoff. Nach Ausdwertung der Stellungnahmen werde der RROP-Entwurf für eine zweite Fassung ergänzt und korrigiert. Entsprechend müsse auch die zeichnerische Darstellung des Raumordnungsprogramms angepasst werden. Überarbeitungen erfolgen laut Grotthoff insbesondere bei den Themen Windenergie und Kleigewinnung. Mitte Oktober beginnt das zweite Beteiligungsverfahren mit der öffentlichen Auslegung - immer mit der Maßgabe vor Augen , dass das neue RROP spätestens Ende 2027 rechtskräftig sein wird.
Wichtig bei diesem Prozess sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit, da viele verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen, so Grotthoff: „Alle Beteiligten und Betroffenen müssen Kompromisse eingehen – wenn alle ein wenig unzufrieden sind, haben wir alles richtig gemacht.“ Seien die einen zufrieden und die anderen nicht, habe man keinen richtigen Kompromiss erzielt.
- Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist der Kreisverwaltung wichtig: Verschiedene Fragen konnten bei der Zukunftswerkstatt Raumordnung beantwortet
werden - Foto: Landkreis Stade / Florian Obst
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Keine Enteignungen möglich
Einige Sorgen - vor allem seitens der Landwirte - konnten die Referenten sowie Kreisbaurätin Madeleine Pönitz auf der Zukunftswerkstatt ausräumen. Aus den Festlegungen des RROP lässt sich keine Berechtigung zu Enteignungen oder zur Ausübung von Zwängen gegenüber Flächeneigentümern ableiten. Das RROP liefert auch nicht die Grundlage für die Ausweisung von Naturschutzgebieten. Dies ist insbesondere für die aktuelle
landwirtschaftliche Nutzung wichtig: Die Kartierung von Biotopverbunden im RROP schränkt diese Nutzung nicht ein, ausschließlich die Siedlungsentwicklung ist betroffen.
Das betonte auch der Geograph Jan-Christoph Sicard: „Es sollen Biotope miteinander verbunden werden.“ Es gehe vor allem um die Sicherung vorhandener Strukturen. „Genehmigungsfreie Flächennutzungen unterliegen keiner Steuerung durch die Raumordnung und sind von Zielen und Grundsätzen der Raumordnung unberührt“, so Sicard.
Den Klimawandel berücksichtigen
Dr. Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg stellte die Herausforderungen der Raumordnung dar. Insbesondere der menschgemachte Klimawandel sei bei künftigen Planungen zu berücksichtigen, so Stefano Panebianco: „Der Klimaschutz muss gestärkt werden.“ Panebinaco fand lobende Worte für den Landkreis: Die Zukunftswerkstatt gehe weit über die übliche Beteiligung der Öffentlichkeit hinaus. "Planung muss immer wieder erklärt werden." Der Landkreis Stade übertreffe mit einer solchen Veranstaltung die Vorgaben. "Das ist sehr gut."
Sichtweise der Landwirte
Dazu passt, dass auch Landvolk-Kreisgeschäftsführer Christoph Wilkens einen Impulsvortrag hielt und bei der Talkrunde auf dem Podium stand. Er plädierte für eine ausgewogene Abwägung verschiedener Nutzungsinteressen sowie für praxisnahe und flexible Regelungen. „Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist ganz besonders die Planungssicherheit wichtig“, erklärte Wilkens.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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