Dieser "Landgang" hat sich gelohnt: Kampagne im Landkreis Stade stieß bei Medizinstudenten auf positive Resonanz

Im Bürgerhaus Drochtersen: Iris Fitze, Projektleiterin, und der Stader Arzt Dr. Stephan Brune
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Langjährige Vertrauensverhältnisse zu Patienten / Enorme Vielfalt an Krankheitsbildern

tp. Drochtersen. Seit fast zwei Jahren gibt es das Kooperationsprojekt "Landgang", mit dem der Landkreis Stade, Kommunen, die Kassenärztliche Vereinigung, die Elbe Kliniken, die Uni-Klinik Hamburg Eppendorf (UKE) und weitere Akteure aus dem "Gesundheitsnetzwerk Elbe" junge Ärzte für eine Existenzgründung auf dem platten Land  begeistern wollen. Eine positive Zwischenbilanz der zunächst für drei Jahre gemeinschaftlich finanzierten Kampagne zogen die Beteiligten am Mittwoch bei einem Arbeitstreffen im Bürgerhaus in Drochtersen. Für die insgesamt 21 Medizinstudenten, die das Angebot inzwischen wahrnahmen, habe sich der "Landgang" mit einem Praktikum in einer hiesigen Hausarztpraxis gelohnt, berichte Projektleiterin Iris Fitze die vom "Landgang"-Koordinationsbüro in Drochtersen.

Bekanntlich herrscht Ärztemangel in den Fachpraxen für Allgemeinmedizin im Kreis Stade, ältere unter den 120 Hausärzten finden keine Nachfolger, vereinzelt stehen Praxen leer oder bieten stark eingeschränkte Sprechstunden an, wie z.B. in Kutenholz. Neben einer öffentlichen finanziellen Förderung als Starter-Zuschuss, die etwa in Buxtehude griff, gibt es weitere Instrumente - wie "Landgang": Mit der Kampagne steuert das Gesundheitsnetzwerk der Unterversorgung gegen, lockt Medizinstudenten vom UKE zu einwöchigen Blockpraktika in anerkannte Lehrpraxen. In ihrem Entwicklungsbericht nannte Iris Fitze zwei Beispiele erfolgreicher "Landgänge": Charlotte Wessowlowski, drittes Semester aus Hamburg, arbeitete in der Allgemeinmedizin-Praxis von Dr. Harm Spreckels in Himmelpforten. "Ein großer Unterschied zu den Erfahrungen, die ich in einer städtisch gelegenen Facharztpraxis sammeln konnte, besteht in der enormen Vielfalt an Krankheitsbildern, mit denen die Patienten in der Landarzt-Praxis vorstellig werden. Die vertraute Nähe und der langjährige enge Kontakt zwischen Dr. Spreckels und seinen Patienten stellen eine Besonderheit dar, die ich so nur im ländlichen Umfeld beobachten konnte. Vor allem die Hausbesuche waren unter diesem Gesichtspunkt sehr interessant für mich", so Wessowlowski.

Annika Stehr, ebenfalls im dritten Semester und aus Hamburg, gewann in der Praxis Peter Gründahl und Susann Schütt in Horneburg Einblick in die Allgemeinmedizin: „Ich habe mich im zweiten Anlauf für ein Medizinstudium entschieden. Ich bin examinierte Ergotherapeutin. Beruflich möchte ich in engem Kontakt zu den Patienten stehen. Ich kann mir gut vorstellen, später in einer Praxis für Allgemeinmedizin zu arbeiten, in der ich Menschen über längere Zeit begleiten kann. Durch den 'Landgang' habe ich einen Einblick in eine Praxis bekommen, in der die Ärzte alle ihre Patienten gut kennen und ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut haben."

Kritisch betrachteten die Experten das weitere Instrument Stipendienvergabe mit der Verpflichtung der Stipendiaten, später im Kreisgebiet zu praktizieren. Angesichts des jungen Alters der Medizinstudenten, denen heute viele Wege offen stünden, und der Ausbildungsdauer von gut zwölf Jahren seien Stipendien "der absolute Unsinn", so Dr. Volker von der Damerau-Dambrowski aus Stade. Am Ende bleibe auch bei den "Landgang"-Teilnehmern ungewiss, ob sie jemals im Kreisgebiet eine Praxis übernehmen werden.
 
Nachtschicht und viel Bürokratie
(tp).
"Landgang" sei "ein wichtiger Ansatz" zur Nachwuchsaquise, kommentierte Dr. Stephan Brune, Kardiologe aus Stade und Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, verwies aber auf weitere strukturelle Probleme wie den Mangel an Studienplätzen, der erst neuerlich behoben wurde, sodass Effekte erst in weit mehr als einem Jahrzehnt spürbar würden. Überdies forderte Brune Bürokratie-Abbau, um Landärzte zu entlasten. Zudem sollten sich Kommunen gegenüber Jungärzten attraktiv anpreisen und ältere mit Anerkennung und direkter Ansprache im Job halten. Ein Problem bereite der nächtliche Bereitschaftsdienst mit Hausbesuchen in abgelegenen Gegenden, der von älteren Ärzten - aber auch von jungen Frauen - abgelehnt würde. "Wir brauchen ein System, im Rahmen dessen die Patienten z.B. von Rettungssanitätern in die Kliniken gebracht würden." 

http://www.landgang-stade.de

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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