Kreative Vielfalt ohne Leistungsdruck
Warum sich Menschen ehrenamtlich für die Kirche engagieren

Je engagierter das Ehrenamt ist, desto vielfältiger präsentiert sich die Kirche – zum Beispiel in Himmelpforten | Foto: sb
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  • Je engagierter das Ehrenamt ist, desto vielfältiger präsentiert sich die Kirche – zum Beispiel in Himmelpforten
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Ehrenamtliches Engagement ist das Herzstück der Kirche. „Die kirchliche Arbeit ist vom Ehrenamt geprägt, seit den Tagen der urchristlichen Gemeinden“, betont Dr. Marc Wischnowsky, Superintendent im Kirchenkreis Stade. In den Gemeinden reicht das Engagement vom Singen im Chor über die Jugendarbeit, Besuchsdienste oder das Austeilen des Gemeindebriefs bis hin zur Mitarbeit im Kirchenvorstand.

Gerade dort tragen Ehrenamtliche große Verantwortung: „Die eigentliche Regierungsarbeit findet im Kirchenvorstand statt“, so Wischnowsky. Sie entscheiden gemeinsam mit den Hauptamtlichen über Personal, Haushalt, Schwerpunkte der Gemeindearbeit und vertreten die Gemeinde nach außen. „Natürlich ist diese Macht nicht absolut, denn ein Kirchenvorstand bewegt sich immer im Rahmen kirchlicher Ordnungen und des biblischen Auftrags.“ Für dieses Engagement braucht es Teamgeist, Zeit und Herzblut. Doch was motiviert Menschen, sich einzubringen? Wir haben nachgefragt – und spannende Antworten bekommen.

Seit ihrer Kindheit ist Aaltje-Linnea Lange (22) aus Fredenbeck eng mit der Kirche verbunden, da sich ihre Eltern u.a. im Kirchenvorstand engagieren. "Seit 2018, da war ich 15 Jahre alt, bringe ich mich u.a. bei der evangelischen Jugendarbeit ein und helfe u.a. bei Kinder- und Konfirmationsfreizeiten", sagt sie. Zurzeit absolviert sie eine Ausbildung zur Lektorin, um nach Abschluss ehrenamtlich Gottesdienste durchführen zu können. Zudem ist sie Mitglied im Jugendkonvent des Stader Kirchensprengels und ab 2026 auch in der Landessynode. 

Aaltje-Linnea Lange | Foto: Lange

"Ich finde an der Kirche toll, dass sie Raum zum Entfalten unabhängig von Leistung bietet – anders als zum Beispiel im Sportverein", sagt Aaltje-Linnea Lange. "Hier kann man sich ausprobieren und Spaß haben, und das auch mal ohne die Eltern." Als Konfirmandin habe sie festgestellt, dass die Kirche die Jugend nicht so abholt, wie sie sich das persönlich wünscht. "Mit meinem Engagement möchte ich die Kirche für Kinder und Jugendliche ansprechender machen", sagt die Fredenbeckerin, die beruflich als Erzieherin arbeitet.

"Die Arbeit in der Kirchengemeinde macht mir einfach Spaß!", sagt Heike Hellwege (52) aus Himmelpforten. Sie ist seit Sommer 2024 Vorsitzende des Kirchenvorstands. Zudem engagiert sie sich in mehreren großen Projekten: Kultur in der Kirche mit regelmäßigen Konzerten, Filmvorführungen und mehr, als Sängerin in der Kirchenband "Horizont", die 2026 ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, sowie die Umgestaltung des Friedhofs der Kirchengemeinde hin zu mehr Naturnähe und Insektenfreundlichkeit.

Heike Hellwege  | Foto: Hellwege

"Das Schöne an der ehrenamtlichen Kirchenarbeit sind die Möglichkeiten, sich im Rahmen seiner Stärken ganz ohne Fraktionszwang zu verwirklichen", sagt Heike Hellwege. Natürlich muss es für alles einen Konsens geben. Doch ihr persönlich bereite die Organisation von Kulturveranstaltungen viel Freude und die Umgestaltung des Friedhofs sei für sie eine Herzensangelegenheit. Das gilt auch für die Darstellung ihrer Kirchengemeinde nach außen. "Ich arbeite federführend an unserer Homepage und unserem Instagram-Auftritt und kümmere mich um die Öffentlichkeitsarbeit", sagt Heike Hellwege. "Ich möchte kommunizieren, dass die Kirche eine gute Einrichtung ist, die sich von der Diakonie bis zur Seelsorge vielfältig in der Gesellschaft engagiert – und das unabhängig von einer Mitgliedschaft."

Elisa Gellersen (14) aus Lübberstedt (Landkreis Harburg) gestaltet den Kindergottesdienst im Christus Centrum Tostedt (CCT), einer evangelischen Freikirche, mit. Einmal im Monat ist sie dort im Einsatz und betreut zusammen mit etwa einem halben Dutzend weiterer Mitarbeiter die Gruppe der Erst- bis Viertklässler. "Ich engagiere mich in der Kinderkirche, weil ich kleine Kinder sehr mag und es toll finde, ihnen schon im frühen Alter von Gott zu erzählen und davon, wie wundervoll er ist", sagt Elisa.

Elisa Gellersen  | Foto: ce

Am Anfang der CCT-Gottesdienste versammeln sich alle Besucher zum gemeinsamen Singen christlicher Lieder. Dann teilen sich die Kindergottesdienst-Gruppen in verschiedene Räume auf. „In unserer Gruppe sprechen wir dann über Gottes Wort und Themen aus der Bibel. Am Ende gibt es etwas freie Zeit, in der die Kinder basteln oder Tischtennis spielen können“, beschreibt Elisa den Ablauf. „Mit den Kindergottesdienst-Leitern Matze und Sharon besprechen wir anschließend, wie es gelaufen ist oder ob es irgendwelche Auffälligkeiten gab.“
Vor ihrer aktiven Zeit nahm Elisa als kleines Kind selbst an den Kindergottesdienst-Gruppen teil und sammelte dort erste Erfahrungen. Im CCT besucht sie heute auch die Jugendgruppe „Youth Alive“ und nimmt an Freizeiten teil. „Das macht mir sehr viel Spaß.“
„Wenn ich Probleme habe oder es mir nicht so gut geht, bete ich“, erklärt Elisa, wie ihr der Glaube im täglichen Leben hilft. „Auch der Austausch mit den Gleichaltrigen und den Jugendleitern im CCT tut mir gut.“

Bei der 35-jährigen Nadine Axmann zeigt sich ehrenamtliches Engagement auf eine besonders persönliche Weise. Sie engagiert sich in der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Paulus in Buchholz in der Nordheide und bringt dabei immer wieder neue Ideen ein. Dabei wird deutlich: Ihr Ehrenamt entsteht aus Neugier und Begeisterung. Was sie selbst interessiert, möchte sie mit anderen teilen – und daraus Gemeinschaft entstehen lassen. „Wenn es etwas gibt, das mich begeistert, denke ich oft: Warum das nicht einfach mal anbieten?“, sagt Axmann.

Nadine Axmann  | Foto: Axmann

So initiiert sie unter anderem Silent Reading Partys, bei der sich Menschen fortlaufend treffen, um gemeinsam zu lesen – still, aber nicht allein.
Hinzu kam eine Weihnachtsdeko- und Plätzchentausch-aktion. Gemeinsam­ mit Pastor Arne Hildebrandt gründete­ sie außerdem die Gruppe „Gemeinsam glauben“, in der sich Menschen ihrer Altersgruppe regelmäßig austauschen.
Allen Angeboten liegt ein offener, niedrigschwelliger Ansatz zugrunde. Es geht nicht um Verpflichtungen, sondern darum, gemeinsam Zeit zu verbringen und Interessen zu teilen. Ein Ehrenamt, das zeigt, wie aus persönlicher Motivation neue Begegnungsräume entstehen können.

Je engagierter das Ehrenamt ist, desto vielfältiger präsentiert sich die Kirche – zum Beispiel in Himmelpforten | Foto: sb
Aaltje-Linnea Lange | Foto: Lange
Heike Hellwege  | Foto: Hellwege
Elisa Gellersen  | Foto: ce
Nadine Axmann  | Foto: Axmann
Redakteur:

Stephanie Bargmann aus Stade

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