Motto in Oldendorf: "Kinder in die Natur"

Susanne Lüdtke stellt ein elektronisches Wrngerät auf, dass Kitze aus der Wiese vergrämt
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Mit einem Pflegehof fing es an: Susanne Lüdtke ist Mitgründerin der Gruppe Kitz-Retter


tp. Oldendorf. Quasi über Nacht wurde sie zur regionalen Szenegröße im Tier- und Naturschutz: Susanne Lüdtke (52) aus Oldendorf engagiert sich mit Mitstreitern als eine der Ersten in der Region als Kitz-Rettterin mit High-Tech-Methoden. Wie berichtet, suchen die Aktivisten mithilfe von Flugdrohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, Wiesen nach jungen Rehen und anderen Wildtieren ab, um sie rechtzeitig vor dem Mähen in Sicherheit zu bringen. Susanne Lüdtke macht noch viel mehr: Sie betreibt ehrenamtlich eine Tierpflegestelle und engagiert sich neuerdings in der Umweltbildung bei Kindern.

Die vielseitige gebürtige Rheinländerin zog im Jahr 1996 nach Norddeutschland. Sie ist gelernte Industriekauffrau und Möbeltischlerin. "Zur Zeit bin ich Hausfrau mit 'holzwerkelnden Tätigkeiten", sagt Susanne Lüdtke. Auf einem umgebauten Resthof, den sie mit ihrem Ehemann und vielen Tieren bewohnt, fallen unentwegt handwerkliche Arbeiten an. Nicht zuletzt müssen die Hunde, Katzen, Schweine, Schafe, Gänse und Hühner gefüttert und versorgt werden. Die Tierfreundin mit Leib und Seele hält seit Jahren Kontakte zu verschiedenen Tierschutzvereinen, mit deren Hilfe zugelaufene Katzen und Hunde in liebevolle Hände vermittelt. Einige Vierbeiner werden Dauergast auf ihrem Hof.

Durch einen tragischen Zufall wurde Susanne Lüdtke im Jahr 2016 zur Kitz-Retterin. "Auf der Straße vor unserem Haus wurde eine Ricke überfahren und tödlich verletzt. Ein Jäger bat mich darauf zu achten, ob ein Kitz im angrenzendem Wald nach seiner Mutter rufen würde." Nach 30 Stunden Suche fand Lüdtke mit Helfern das Kitz. Da sämtliche Tierpflegestellen überlastet waren, nahm sie das Junge bei sich auf und brachte es mit Ziegenmilch aus der Flasche wieder zu Kräften. "Schon ein paar Tage später bekamen wir ein zweites Waisenkitz dazu - es war eine anstrengende aber auch sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. In dieser Zeit wurde mir bewusst, wie besonders und bezaubernd diese sensiblen Tiere sind."

Umso erschütterter war Susanne Lüdtke, als sie erstmals von dem Leid erfuhr, dass viele Kitze, die oftmals gerade ein paar Tage auf der Welt sind, ertragen müssen: "Verstümmelungen durch Mähwerke sind ein großes Problem." Insgesamt würden bundesweit jährlich 100.000 Kitze durch Erntemaschinen getötet. Mit Tierschützern aus dem Landkreis Stade gründete sie den mit ferngesteuerten Flugdrohnen ausgestatteten Kitz-Rettungstrupp, der seit dieser Saison in der Region ausrückt. Die Helfer sind zur schnellen Koordination in einer WhatsApp-Gruppe unter Tel. 0172 - 4309846 miteinander vernetzt. Auch Landwirte können unter dieser Nummer rund um die Uhr ihre Mäh-Termine mitteilen. Via WhatsApp können zudem Spender Kontakt zu den Mitgliedern aufnehmen.

Den Dienst der Kitz-Retter lernten kürzlich Viertklässler der Grund- und Oberschule Oldendorf im Rahmen eines Erlebnistages mit ihrer Lehrerin Vicki Rathmann kennen, die der WhatsApp-Gruppe angehört. Als die Freiwilligen den Anruf eines Landwirtes bekamen und ein großes Feld absuchen mussten, halfen die Kinder in Begleitung von Susanne Lüdtke und Drohnen-Pilot Jan Wiede (30) von der Jägerschaft in Stade bei der Suche. Die beiden Naturschützer vermittelten den Mädchen und Jungen Wissenswertes aus der Tier- und Pflanzenwelt. Und es gab Spannendes zu erleben: "Wir haben gemeinsam einen Fuchs aus dem Feld vergrämt, Liegestellen von Ricken und Kitzen sowie Spuren von Hasen gefunden." An einer Wanderer-Schutzhütte nahe der Schule klang der Aktionstag mit einem gemeinsamen Frühstück aus.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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